Übertragung der Urkunde Joachim des II. vom 20. März 1542, in Neudeutsche Schrift


Die Übertragung der Urkunde Joachim des II. (Hektor) vom 20. März 1542, betreffend die Verleihung eines Lehens an den Schenck Wilhelm zu Landsberg, ist im Jahr 2018 durch Herrn Herbert Turley, Senzig, erfolgt.

Die Urkunde beinhaltet die derzeit erste bekannte schriftliche Nennung des Ortes Senzig. In der Urkunde Sensick genannt.

Die mehrfach behauptete erste schriftlich Nennung Senzigs in einer Urkunde aus 1462, ist derzeit nicht nachgewiesen.

Die Übertragung ist mit größter Sorgfalt und mit großer Mühe erfolgt.

Der Abbildung, Übertragung oder sonstigen Nutzung der übertragenen Urkunde, auch auszugsweise, stimmt Herr Herbert Turley vorbehaltlos zu, wenn gleichzeitig sichtbar und zusammenhängend der nachfolgende Text vermerkt oder bekanntgegeben ist:

"Die Urkunde wurde in neue deutsche Schrift übertragen, im Jahr 2018, durch Herrn Herbert Turley, Senzig."


Wir Joachim von Gots gnaden Marggraf zu Brandenburg Des heiligen Römischen Reichs, Ertzkämmrer und Churfürst zu Stettin, Pommern, der Kassubenn, Wenden und In Schlesien zu Crossen Hertzog, Burggraf zu Nürnberg und Fürst zu Rügenn, bekennen hiemit und thun kundt vor uns unsere erben und nachkommende Marggrafen zu Brandenburg, kegen meniglich das uns nach todtlichem abgangk weilandt des Hochgebornnen fürstenn Hern Joachims Marggrafen zu Brandenburgk und Churfürstens unsers freuntlichen lieben Hern und Vattern seliger gedechtnis, der Wolgeborn Edel, unser Rath und lieber getreuer Wilhelm Schenck von Landesbergk, Her zum Leuten und Wusterhausen, uns hercheniglichen angelangt und gebettenn, Ime und seinen Manlichen Leibs Lehens Erben alle und jede güther, Dörfer, Pacht, Zins, Fischereien, Mülen Mülstedten, Schefferey, Wassern, Sehen, Weldern, Puschen, Teichen, Herligkeiten und alles so er hievor von gedachtem unserm lieben Hern und Vattern und uns zu Lehen herbracht wie das nammen gehaben oder sein mochte gnediglichen zuleihen geruhen mochten. Des wir angesehen seine untherthenigs Bitte, auch manchfeltige treue Dienste so gemelter Schenck Wilhelm sein Vatter und Vorfarn, uns und unsern Vorfarn Marggrafen zu Brandenburgk allewege, treulichen gethan und hinfurs thun sollen und mogenn und Ime auch seinen Manlichen Leibs Lehens Erbenn solche Lehen zu rechtem Manlehen wie Manlehens recht und ubungs auch gebrauch ist zuleihen, gnediglich geruhet.      Nomlich das Dorf Wendische Wusterhausen mit dem Schloße doselbs, die wüste veltmargken Zerstorf, und etliche stucke Ackers bey Kykepusch, dotzu gehörigk, Sensick, Czeisenn, Schenckndorf, den Werder die wüste Krugkstedte genandt bey nieder Lome gelegen, die Dörfer Deutsch Wusterhausenn, und hoher Lome auch darin hievor aus denselbigen grien Wendischen Wusterhausen gehörigk gewesenn. Durch wes Schenck Wilhelm hernach lauts unser vorwilligungs Im beiden Dörfern vonn Michel Happen dotzu erkauft sampt den Kirchlehen derselbigen Dörfer und zugehörigen Filialn, auch einem geistlichen Lehen in unser Stadt Mittewalde und allen andern und itzlichen zugehörungen an Dörfern, Eckern, Wiesen, Heiden, Puschen, Sehen, Jagten, Berchten, Obersten und Niedersten, Weinbergen, forwergken, Teychen, Teychstedten, Mülen, Mülstedten, fischereyen, und fließen, Schefereien und Schefereigerechtigkeit, Weiden, Zinsen, Zöllen und einkommen. Den Adel so unter Ime gesessenn, und Lehengüther von Ime haben und tragen sampt allem und jedem anderm so vor alters gein Wusterhausen gehört hat und noch gehöret, wie das vor alters und noch in seinen vier Reinen und Grentzen begriffenn und sonst mit allen gnaden, freyheiten, gerechtigteiten, nichts ausgeschlossenn. Kund lechen Ime und seinen Manlichen Leibs Lehens Erben gemelt Schlos, Dörfer, wüste veltmargken sampt allem wie obgesatzt, nichts davon ausgenommen kegenvertigk in Kraft und macht dis briefs zu rechtem Manlehen, zuhaben, zugeniesen, zuhaltenn, und zugebrauchenn, wie er solchs von weiland unsern lieben Hern und Vattern herbracht, auch wie Manlehens recht und ubungs ist und so ofte es not thuet, von uns, unsern Erben und nachkommenden  Jünheren und Jüempfahen, was auch davon zuhalten, zudienen, und zuthun, als solcher Manlehen recht und gewonheit ist. Sol auch die Landtwerr wie vor alters herkommen treulich besorgenn, und bewaren. Wir haben auch aus besondern gnaden den Wolgeborennen unsern lieben getreuen Christof und Hansen gebrudern den Schenken von Landespergk, Hern Zum Teuptzk, das gesambte Landt an obgenelten güttern vorliechen. Inmasen dann unser Rath Schenck Wilhelm laut eines Machtspruches durch uns, am Dienstage nach Michaelis des vorschiennen Sibenunddreisigsten Jars uf Ire allerseits mechtige Heimstellung gesprochenn, und ergangenn. Die gemeltem Lehen mit gemeltem Schenck Christof und Schenck Hansen, an der Herschaft zum Teuptzk und allen derselben zugehörigen güttern widerumb hat, die wir Ime dann laut gemelts Vertrags one einiche Condition darann bekennen, und vorleisenn. Wie gesambter Handt recht und gewonheit ist, doch das derselbigen in Lehenstellen auch volge geschehe, do dann die alten Vertrege sovil die gesambte Handt belangt, sollen gentzlichen cassiren und abgethann sein. Kund leyhen vorgemelten Schenck Christof und Hansen gebrudern die gesampte Handt hiemit in Craft dits briefs, doch das auch zu jeder Zeit so ofte es zu falls kommpt, der gesambten Handt volge thun, als gesambter Handt recht und gewohnheit ist, treulich und ungeuerlich. Dis zuurkundt mit unsernn anhangendem Ingesiegel worfir gelt.               

Kund geben zu Cöln an der Sprew Montags nach Letari Christi unsers Hernn Geburdt Tausendt fünfhundert und im  Zweyundvirtzigstenn Jahre.

 

Johann Weinleb aie Cantzl (Unterschrift) Siegel (nicht abgebildet)

 


In der Urkunde erwähnte Orte - und deren heutige Namen und Lagen:

  • Brandenburg - Bundesland Brandenburg / Teile der ehemaligen Provinz Brandenburg heute in PL
  • Stettin - Szczecin PL
  • Pommern - Vorpommern Teil des Bundesland Mecklenburg/Vorpommern / überwiegender Teil der ehemaligen Provinz Pommern heute in PL
  • Kassubenn - die Kassuben [in Kaschubien (auch Kaschbei), Pommern, beheimatete Volksgruppe, heute PL, Städte z.B. Leba, Slupsk, Lebork]
  • Wenden - die Wenden [in der Lausitz beheimatete Volksgruppe] 
  • Schlesien - Niederschlesien Teil des Bundesland Sachsen / überwiegender Teil der ehemaligen Provinz Schlesien heute in PL 
  • Crossen - Crossen an der Oder / Krosno Odrzanski PL
  • Nürnberg - Nürnberg
  • Rügenn - Insel Rügen
  • Landesbergk - Landsberg an der Warthe /  Gorzów Wielkopolski in PL
  • Leuten - Groß Leuthen [Spreewald]
  • Wusterhausen - Königs Wusterhausen
  • Dorf Wendische Wusterhausen mit dem Schloße - Königs Wusterhausen mit dem Schloss
  • wüste veltmargken Zerstorf - verlassene/unbesiedelte Feldmark mit dem Ort Zehrensdorf [bei Wünsdorf]
  • Ackers bey Kykepusch - Äcker bei Kickebusch
  • Sensick - Senzig
  • Czeisenn -Zeesen
  • Schenckndorf -Schenkendorf
  • den Werder die wüste Krugkstedte genandt bey nieder Lome - Miersdorfer Werder bei Niederlehme [zu Zeuthen]
  • Deutsch Wusterhausenn - Deutsch Wusterhausen
  • hoher Lome - Hoherlehme [zu Wildau]
  • Wendischen Wusterhausen - Königs Wusterhausen
  • Stadt Mittewalde - Mittenwalde
  • Wusterhausen in seinen vier Reinen und Grentzen - Königs Wusterhausen mit seinen vier Rainen (= Begrenzungen - möglicherweise sind gemeint die damaligen 3 Ausfallstraße sowie der Fluß Notte) und Grenzen
  • wüste veltmargken - verlassene / unbesiedelte Feldmarken
  • Teuptzk - Teupitz
  • Cöln an der Sprew - Berlin