Senzig im 17. / 18. Jahrhundert (1618 - 1756) - vom Dreißigjährigen Krieg zum Siebenjährigen Krieg


1618 (bis 1648)

 

Beginn des „Dreißigjährigen Krieges“, es herrscht Armut und Hunger.

 

1624

 

Nach dem Schoßkataster von 1624 wohnten in Sentzke 11 Hüfner (Bauern), 3 Kossäten, 1 Hirte, 1 Laufschmied; 16 Hufe, 4 davon sind wüst.
An anderer Stelle wird genannt: 11 Bauern, 3 Kossäten, insgesamt 106 Seelen.

Die gesamte Gemarkung umfasste damals 16 Hufen.

 

In Wendisch (Königs) Wusterhausen gab es im gleichen Jahr 2 Bauern, 4 Kossäten, insgesamt 40 Seelen.

 

1634

 

Infolge des „Dreißigjährigen Krieges“ ab 1634 Hungersnöte und Seuchen die ganze Landstriche entvölkern; in Senzig werden 7 Bauernhöfe und 2 Kossätenstellen wüst.

 

Die Schrecken des 30jährigen Krieges (1618 - 1648) blieben auch den Einwohnern von Senzig nicht erspart. Für jeden durch Senzig ziehenden Soldaten von der Truppe Wallensteins mussten täglich aufgebracht werden:

3 Pfund Brot, jedes á 3 Pfennig, 3 Pfund Fleisch, jedes á 8 Pfennig und 3 Quard (ca. 3,5 l) Bier zu 5 Pfennig sowie für jedes Pferd 12 Pfund Heu und einmal pro Woche 1 1/2 Scheffel Hafer und 2 große Bunde Stroh.

1640

 

Friedrich Wilhelm (der Große Kurfürst), (6.2.1620 - 29.4.1688), wird Kurfürst.

1643

 

Wendisch-Wusterhausen wird durch die Schweden verwüstet.

 

1648

 

Ende des „Dreizigjährigen Krieges“, Westfälischer Friede

 

1652

 

Bezeichnung: Sentzschke;

 

Einwohner: Vizeschulze, 1 Erbschulze, 6 Bauern mit 1 Sohn, an anderer Stelle wird noch 1 Kossät genannt.

 

Während des Dreizigjährigen Krieges wurden 7 Höfe verwüstet, die aber nach dem Bericht des Landreiters von 1652 schon wieder besetzt waren und zwar von den von außerhalb stammenden:

Adam Guthmann - aus Zerensdorf,

Bartell Schultze - von Hoherlömen und

Jacob N. - aus dem Storckowschen;

             

von den aus Sentzschke gebürtigen:

Vizeschultz Jacob Schultze, 57 Jahre,

Erbschultz Martin Schultze, 21 Jahre,

Hanß und Martin Miliß sowie

Andreas Türcke

 

1669

 

14. Oktober 1669, Übergang der Herrschaft von den Schenken von Landsberg, wegen deren Geldverlegenheit, auf den Geheimrat Friedrich von Jena (bis 1683)

 

1682

 

Übergang der Herrschaft (Schloß und Güter, darunter auch Senzig) vom Geheimrat Friedrich von Jena auf Kurprinz Friedrich (Titel ab 1688 Kurfürst Friedrich III; ab 1701 Friedrich Wilhelm I. König in Preußen); (andere Quelle nennt die Jahreszahl 1683).

 

1685

 

Flucht der Hugenotten aus Frankreich, nach der Aufhebung des Edikts von Nantes, und Aufnahme in Brandenburg.

 

1688

 

Friedrich Wilhelm I., (11.7.1657 - 25.2.1713), wird Kurfürst, ab 1713 König.

 

1696

 

Erstes Wehr mit Schiffdurchlass wird in Neue Mühle gebaut. Höhenunterschied 1,50 m. (andere Quelle, Adolf Meineke, nennt 1714)

 

Um 1934 schrieb Adolf Meineke mit Bezug auf den Bau der Schleuse folgendes:
Bevor 1714 die Schleuse in Neue Mühle erbaut wurde, vollzog sich der gesamte Schiffsverkehr nach Berlin vom Krimnicksee aus durch den Graben der "Spanwiesen", der jetzt versumpft und zum größten Teile zugewachsen ist und der in den "Großen Graben" mündete. Letzterer ist die Verbindung vom Zeesener See zur Dahme in Neue Mühle. Auf diesem Wege brachten die Fischer vom Scharmützel- sowie vom Wolziger See und den anschließenden Gewässern Fische und sonstige Waren nach Berlin zum Verkauf. Der "Große Graben" war an dem von Neue Mühle nach Königs Wusterhausen führenden "Kirchsteig" mit einer Schleuse versehen, deren Tore hochgezogen werden mussten. Diese Zugschleuse bestand noch bis ca. 1914. An dem obengenannten Graben vom Krimnick-See zum "Großen Graben" soll sich früher auch an der Straße, die von Senzig nach Königs Wusterhausen führte, eine Wasser-Mühle befunden haben, die mit "Alte Mühle" bezeichnet wurde. Beim Bau der Chaussee im Jahre 1884 sollen auch noch die Fundamente der alten Mühle gefunden worden sein. Die frühere Wasser-Mühle in Neue Mühle wurde bedeutend später als die Senziger Mühle erbaut; daher stammt auch die Bezeichnung "Neue Mühle".

obere Grafik: Zeichnung von Adolf Meineke zur Lage der "Alten Mühle" - um 1930. (zum besseren Verständnis die Zeichnung gedreht, damit ist Norden oben;

mittlere Grafik: Vergleichender Ausschnitt aus bearbeiteter aktuellen Liegenschaftskarte, mit Einzeichnung der ungefähren Lage der alten Mühle. Sehr gut ist das heute noch kartierte Flurstück des vermutlich ehemaligen Mühlengrabens zu erkennen, der vom Krimnicksee zur "Alten Mühle" führte. (Norden = oben)

untere Grafik: Karte von 1839 - an der Stelle der ehemaligen "Alten Mühle" ist ein Gebäude als "Tränke" eingezeichnet (vermutlich Schenke, Ausspanne und/oder Pferde- bzw. Tiertränke).

Die "Alte Mühle befand sich einst, von Königs Wusterhausen kommend, links der Straße. Mit dem späteren Bau der Chaussee, welche in der Kurve etwas weiter östlich der ursprünglichen Straße gelegt wurde, befindet das Areal der "Alte Mühle" jetzt rechts der Straße. Dort wurden 1884 und mehr als hundert Jahre später auch Überreste gefunden.  

Der "Große Graben" (Fanggraben) auf einem Foto aus 2010.

1698

 

Der Cottbusser Cours, die Postkutschenverbindung zwischen Berlin und Cottbus führt, zwischen (Königs) Wusterhausen und Storkow, über Senzig (bis 1820).

Die Postkutsche startete in Berlin. Am Rollkrug, ungefähr am jetzigen Hermannplatz in Berlin-Neukölln, trennten sich die Postkutschenstrecken nach Dresden und nach Cottbus. Die Cottbuser Strecke führte über Rixdorf, Rudow, Waltersdorf und Königs Wusterhausen nach Senzig und von dort weiter über Gussow, Wolzig nach Storkow und Beeskow. Von Beeskow ging es in südliche Richtung über Friedland, Lieberose und Peitz nach Cottbus.

Grenzstein (2009) an der ehemalige Grenze zwischen dem Teltower- und dem Storkower Land, bei Bindowbrück.

Die vor ca. 20 Jahren noch sehr gut erhaltene Beschriftung - möglicherweise aus einer vormaligen Rekonstruktion - ist bis auf  ganz geringe Farbreste nicht mehr erhalten.

1701

 

Der Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm I. gründet seine Kompanie der "Langen Kerls".

1703

 

Ein Protokoll aus diesem Jahr beginnt mit den Worten: „Senzigk gehöret Sr. Cron Prinzl. Hoheit zu dero Ambt Wusterhausen“. Acker, Hütung und Viehzucht waren damals gleichmäßig schlecht: „ihr bestes ist, daß sie fischen und Schafe halten dürfen.“

 

1711

 

14 Hüfner, der Hirte; 16 Hufe á 4 Groschen

 

1718

 

Wendisch-Wusterhausen wird, anläßlich der Einweihung des umgebauten königlichen Schlosses, umbenannt in "Des Königs Wusterhausen".

 

1733

 

Übergang des prinzlichen Gutes auf die Gesamtherrschaft Königs Wusterhausen (bis 1872), Senzig wird durch Friedrich Wilhelm I. dem Hausfideikommiß einverleibt.

 

1734

 

113 Einwohner

 

1739 / 1740

 

Das Wehr Neue Mühle wird zur Kammerschleuse umgebaut, damit sie auch größere Boote und Flöße nutzen können.

 

1740

 

Friedrich II. (der Große), (24.1.1712 - 17.8.1786), wird König.

1745

 

11 Bauern, 3 Kossäten, 1 unkatastrierter (= ohne eigenen Grundbesitz) Kossät, 1 Krug; außer dem Dorf: 1 Ziegelscheune, 6 Familienhäuser.

 

1752

 

Kopie der ersten Seite eines Tutorium für Daniel (den) Schultzen zu Sentz.

(Der Inhalt ist noch nicht erschlossen, eine Übersetzung steht noch aus.)