Senzig im 19. Jahrhundert (1813 - 1871) - Befreiungskriege, Wiener Kongreß, Märzrevolution, Frankfurter Nationalversammlung, Eisenbahnen


1813 – 1815  

(Napoleonische) Befreiungskriege

 

Im Jahre 1813 fand einer von fünf vor dem Feinde fliehenden Husaren mit seinem Pferde den Tod in der kühlen Flut am Husareneck, während die anderen glücklich davonkamen. Das wird in einem Artikel des Teltower Kreisblattes vom 27.05.1886 erwähnt.

 

1814 / 1815

Die Schleuse in Neue Mühle erhält eine massive Bauweise und wird so dem gewachsenen Schiffsverkehr angepasst. (Diese Schleusenkammer soll sich an der Stelle der späteren Bootsschleppe befunden haben.)

 

Der Wiener Kongreß, von September 1814 - Juni 1815, hat riesige territoriale Veränderungen in Europa zur Folge.

An die Stelle des früheren Deutschen Reiches tritt der aus 39 Staaten bestehende Deutsche Bund unter Österreichs Leitung. Sitz der Bundesversammlung ist Frankfurt am Main.

 

1815

Der Schullehrer Hindersin aus Senzig, verliert am 18. Juli 1815, bei einem Brand, die Hälfte seines Vermögens. Aus der Brand-Entschädigungs-Kollekte für Landschullehrer erhielt er eine Entschädigung von 100 Taler, wird im Amtsblatt der Regierung zu Frankfurt/Oder bekanntgegeben. 

 

1815 - 1819

Auf der indonesischen Insel Sumbawa bricht im April 1815 der Vulkan Tambora aus. In der Folge kommt es in Mitteleuropa zu einem ungewöhlich kaltem Winter, zu schweren Unwettern und Überschwemmungen. Das führte zu katastrophalen Missernten und Hungersnöten. Die Durchschnittstemperatur in Europa ging um 2 - 3 Grad zurück. Der Himmel war in diesen Jahren nie blau, an klaren Tagen war er weiß. Caspar David Friedrich zum Beispiel hielt in seinen Bildern die teilweise beeindruckenden Himmelsfarben fest. Die globale Abkühlung hält bis 1819 an.

Die Hungersnot trieb viele Menschen in die Emigration und die USA erlebten einen Schub für die Besiedelung.

Weil wegen des Hungers die Pferde in Massen geschlachtet wurden und somit die Fortbewegung erschwert war, konnte das neu entwickelte Laufrad "Draisine", das erste zweirädrige Fortbewegungsmittel, sich durchsetzten.

 

1817        
Im Regierungsbezirk Potsdam werden 1817 die Kreise und Zugehörigkeiten zu Ämtern neu eingeteilt. Senzig wird vom vormaligen Teltowschen Kreis zum neu gebildeten Teltow-Storkowischen Kreis gelegt. Das Zollhaus Bindowbrück, zu Bindow im Amt Storkow gehörend, lutherisch, eingepfarrt zu Bindow, Superintendentur Storkow, verbleibt im Amt Storkow im Teltow-Storkowischen Kreis. Das Dorf Senzig, zum Kreis Teltow gehörend, 153 Einwohner, lutherisch, eingepfarrt zu Königs Wusterhausen, Superintendentur Königs Wusterhausen, verbleibt beim Amt Königs Wusterhausen im Teltow-Storkowischen Kreis. 1836 wird diese Kreisstruktur aufgegeben und der Kreis Teltow, zu dem auch Senzig gehört, neu gebildet.

 

1820        
Der Cottbusser Cours, die Postkutschenverbindung zwischen Berlin und Cottbus seit 1698, wird verlegt und führt nicht mehr über Senzig.


1827

Die Entrichtung von Brückenzoll war üblich. Tarif von 1827 aus der Region (hier die Brücke bei Prierosbrück) waren wie folgt geregelt:

Tarif

zur Erhebung des Brückenzolles bei Prierosbrück.

1.       Für ein Pferd vor einem Frachtwagen                  17 Pf.

2.       Desgleichen vor einem Landwagen                       7 Pf.

3.       Desgleichen zum Handel                                         15 Pf.

4.       Für einen Karren                                                         3 Pf.

5.       Für einen Fußgänger                                                  3 Pf.

6.       Für ein Stück Rindvieh welches von Berlin

   oder der umliegenden>Gegend passiert               7 Pf.

7.       Für ein Schwein desgleichen                                   3 Pf.

8.       Für ein Schaf desgleichen                                         3 Pf.

9.       Für hundert Gänse                                                     25 Pf.

10.     Für einen beladenen Kahn bei Prierosbrück       13 Pf.

                                                                und bei Neubrück          13 Pf.

Von der Erhebung des Brückenzolles sind frei

1.       Die Königlichen und Prinzlichen Herrschaften und der Suite.

2.       Königl.-Militär-Personen welche in deutschem Dienst sind.

3.       Alle Vorspannwagen welche ohne Lohn fahren und welche Vorspann geleistet haben.

4.       Die Herrschaftlichen Wusterhausener Beamten welche im Beeskow-Storkower Kreise wohnen.

5.        Die Königlichen Forst-Beamten Personen und Pferde.

6.       Der damalige Beamte zu Storkow, sowie Personen und Amtsfuhren.

Königs – Wusterhausen

den 11ten Mai 1827

Königliches Revier und Polizeiamt

1830

In Deutschland tritt die Pest wieder auf. In Königs Wusterhausen gibt es zwei Pesttote. Diese werden außerhalb der Stadt begraben.

 

1832

Königs Wusterhausen erhält erstmals Marktrechte, bleibt aber ein Flecken auf dem platten Land.

 

1835        
Herr Valentin wird Lehrer in Senzig (bis 1864). Neben seiner Tätigkeit als Lehrer hatte er sich mit der Seidenraupenzucht beschäftigt und 36 Maulbeerbäume innerhalb des Dorfes gepflanzt.

 

Erste Eisenbahnlinie in Deutschland zwischen Nürnberg und Fürth (1814 hatte Stephenson die Lokomotive erfunden).

 

1836

Der 1817 gebildete Teltow-Storkowischen Kreis wird wieder aufgelöst und der Kreis Teltow, zu dem Senzig gehört, wieder gebildet.

 

1839        

Senzig mit Bindowbrück auf Karten aus den Jahren 1839 / 1841,

Bezeichnung auf der folgenden Landkarte: links, 1839, Sentzig - rechts, 1841, Senzig

(Reproduktion und Bearbeitung Herbert Turley)

1840        
291 Einwohner, 36 Wohnhäuser

Das Dorf Senzig (ohne Bindowbrück) um 1840
(zusammengefügte, vergrößerte Ausschnitte aus Karten von 1839 und 1841) 


170 Jahre später - das letzte noch fast original erhaltene Teilstück des Verbindungsweges zwischen dem Dorf und der ehem. Ziegelei

(Foto: Herbert Turley)

1840        
Friedrich Wilhelm IV., (15.10.1795 - 2.1.1861), wird König

 

1843        
Der Lections-Plan (Stundenplan) für die zwei Klassen der Schule in Senzig war wie folgt gestaltet:

Montag und Donnerstag

1. und 2. Klasse 8 - 9 Religion, 9 - 10 Bibellesen, 10 - 11 Schönschreiben, 11 - 12 Lesen mit Sprechübungen.

Nur 2. Klasse 1 - 2 Rechnen, 2 - 3 Lesen, 3 - 4 Sprechübungen.

Dienstag und Freitag

1. und 2. Klasse 8 - 9 Religion, 9 - 10 Bibellesen, 10 - 11 Rechnen, 11 - 12 Rechtschreiben.

Nur 2. Klasse 1 - 2 Rechnen, 2 - 3 Lesen, 3 -4 Dienstag Schreiben und Freitag Zahlenlesen.

Mittwoch und Sonnabend

1. und 2. Klasse 8 - 9 Bibellesen, 9 - 10 Gesang.

Nur 2. Klasse 10 - 11 Lesen, 11 - 12 Zahlenlesen am Sonnabend mit Gesang.

 

1844

Die Fotografie wird praxistauglich


1848       

Bürgerlich-demokratische Erhebungen in Europa und im Deutschen Bund. Märzrevolution. Am 18. Mai wird das erste gesamtdeutsche Parlament, die Frankfurter Nationalversammlung, in der Paulskirche eröffnet.

 

In Königs Wusterhausen entsteht die erste Bürgervertretung


1850        
Umfang der Besitzungen der Bauern in Senzig etwa 4.650 Morgen, an diese waren auch Rechte der Herrschaft, wie z.B. die Fischerei, verpachtet

 

1855        
22.11.1855 erste urkundliche Erwähnung Wildau´s (vormals das Ackergut "Spring-Ziegelei")

 

1856        
325 Seelen in 1 Bauernfamilie, 14 Kossätenfamilien, 23 anderen Familien, 38 Wohnhäuser und 62 andere Gebäude;

 

1858        
342 Einwohner (ohne Bindowbrück), diese zahlten: 75 Taler Grund-, 158 Taler Klassen- und 86 Taler Gewerbesteuern;
benannt sind 15 Hofeigentümer mit 13 Knechten und Mägden, 31 Arbeiter, 2 Schuhmachergesellen, 2 Schneidermeister, 1 Zimmermeister und 2 Gesellen, 2 Maurergesellen, 1 Kaufmann, 6 Schiffseigentümer mit 22 Schiffen und 11 Stromfahrzeugen, 1 Schankwirt, 14 Arme;
40 Besitzungen, 1 von 300 – 600 Morgen (458 Morgen), 14 von 30 – 300 Morgen (zus. 3.866 Morgen), 3 von 5 – 30 Morgen (zus. 30 Morgen), 22 unter 5 Morgen (zus. 25 Morgen)

 

Wilhelm I., (22.3.1797 - 9.3.1888), übernimmt die Regentschaft für Friedrich Wilhelm IV., ab 1861 König und ab 1871 Deutscher Kaiser.

 

1860

354 Einwohner, 1 öffentl. -, 39 Wohn-, 65 Wirtschaftsgebäude, mit der abgelegenen Kolonie (Ziegelei bei Senzig), ohne Bindowbrück; Gemarkungsgröße 4.385 Morgen mit Bindowbrück

 

1862

Die Senziger Wehrmänner, der Büdner und Schiffer Johann Ludwig Ferdinand Ribbecke, der Büdner und Schiffer August Ferdinand Hübner und der Büdner und Schiffbauersohn Carl Ludwig Albrecht werden gemäß Verordnung des Landrates vom 28.06.1862 für den Fall der Mobilmachung als unabkömmlich anerkannt.

 

1863 / 1864

Neu festgestellte Daten zu Aufgeboten, Eheschließungen, Geburten und Todesfällen in Senzig.

(die Zeichen bedeuten: * Geburt, † verstorben, ♂ Sohn bzw. männlich, ♀ Tochter bzw. weiblich, O Aufgebot, OO Eheschließung, SZ Senziger Ziegelei)

20.06.1863:

   Schmohl, Kossät, *♂;

   Hindersin, Maurergeselle, *♂;

27.06.1863:

   J. G. E. Purann, Schiffbauergeselle, *♂;

08.08.1863:

   Krüger, SZ, Schiffer, *♂;

   Bentsch, Schneidemüller, *♂;

15.08.1863:

   Hesse genannt Krull, Schiffer, *♀:

29.08.1863:

   C. F. W. Schulze, Kossät, *♀;

27.09.1863:

   K. A. W. Schulze (Frau), *♂, unehelich;

10.10.1863:

   C. G. A. Streichan, Schiffer, *♂;

16.12.1863:

   Schulze, SZ, Schiffer, *♂;

06.01.1864:

   J. F. W. Schust, Kossäth, verwitwet / Jungfrau M. M. Schulze, O;

   J. F. W. Milis, Schiffer, Eigentümer, Junggeselle / Jungfrau F. W. A. Dietz, O;

23.03.1864:

   J. K. G. Balke, Schuhmacher, Junggeselle / Jungfrau A. W. K. Hindersin, O;

   F. W. Krüger, Schiffer, Eigenthümer, *♂;

   Conrad, Schneidermeisters, †♂, 7 T., Schwäche;

13.04.1864:

   Jurisch (Frau), *♀, unehelich;

   Conrad, Schneidermeister, †♀, Ehefrau, 35 Jahre, gastrisches Fieber;

27.04.1864:

   J. G. Kävert, Tischlermeister, Büdner, verwitwet, aus Groß Besten / Jungfrau E. A. Valentin, O;

   K. F. Schulze, Maurergeselle / K. E. Gollmitz aus Niederlehme, O;

   Menz, Erbschulze, *♀;

   Paulick, SZ, Schiffer, Eigentümer, *♀;

   Schust, Schneidermeister, *♀;

   F. W. Schulze, Bauer, †♂, 4 J.;

   Kegel, Schiffer, †♀, 7 T.;

04.05.1864:

   K. A. Schulze, Kossäth, *♂;

22.06.1864:

   F. W. Krüger, Kossäth, *♂;

 

1864        
Am 16.11.1864 ereilt den Lehrer Valentin in der Klasse der Tod. Seine Ehefrau war Annemarie Valentin geb. Balke, geb.am 02.11.1798.

 

1865        
Der Lehrer Dettloff verwaltet die Lehrerstelle in Senzig bis 1875.

In dieser Zeit führt der Teltowsche Kreis-Verein die Feuer-Pflichtversicherung. In Senzig werden diese Versicherungen über viele Jahre hinweg vom Lehrer Dettloff aufgenommen.


Foto eines Lehrers

 

1866      

Deutscher Krieg (auch Preußisch-Deutscher Krieg genannt)

Johann Heinrich Menkhoff aus Senzig, Füsilier in der 9. Companie des 1. Garde-Regiment zu Fuß, wird nach dem Gefecht bei Burkersdorf, am 8. Juni 1866, in der Verlustliste der Königlich Preußischen Armee, als vermisst geführt.

 
Die Begradigung des Nottekanals ist nach 10 Jahren beendet. In Königs Wusterhausen wird eine Schleuse eingebaut.

Nottekanal, Schleuse Königs Wusterhausen, o.J.

1867        
Eröffnung der Görlitzer Eisenbahn – Bahnhof Königs Wusterhausen

Bahnhof Königs Wusterhausen, um 1867, Ansicht vom Bahnhofsvorplatz


Bahnhof Königs Wusterhausen 1880, Bahnsteigseite

 

1868       
Eine neue Schleusenkammer wird in Neue Mühle wurde gebaut. Die Schleuse erhält ihre heutige Form. (Höhenunterschied 1,50 m)

 

1869

Herr Bertini aus Senzig bei Königs Wusterhausen macht am 12. Mai 1869 bekannt: "Eine Ackerwirtschaft, bestellt mit 30-40 Morgen Land oder mehr, Wiese, 1 Fuchs, 1 braune Stute mit Fohlen (junges, frommes Vieh edeler Race mit gutem Kernzustand) und 45 Bund Rohr sind billig zu verkaufen. Auch wird ein ordentlicher Knecht verlangt."

 

Am 02. August 1869 verkündet der Landrat des Kreises Teltow, Freiherr von Gayl u.a.:

"Der Kreis ist fortwährend durch Feuersbrünste heimgesucht. Es hat in letzter Zeit kurz hintereinander in Senzig, (und 8 weitere Orte) gebrannt. Manche zeichnen sich bei solchen Unglücksfällen durch aufopfernde Hülfsleistungen aus. Viele kommen aber nur zum Feuer, um unthätig zuzusehen und durch Rauchen, Schnaps-Trinken, im Wege stehen, Lärmen, Schreien und Unfug jeder Art die Ordnung zu stören. Ich finde mich daher veranlaßt, folgende Bestimmungen der Feuerlösch-Ordnung nochmals zu veröffentlichen, und ersuche die Orts-Polizeibehörden für Verbreitung dieser Bestimmungen Sorge tragen zu wollen.

1. Alle Personen, welche wegen ihres Alters, wegen Gebrechlichkeit oder aus anderen Gründen keine thätige Hülfe leisten können, müssen sich von der Brandstelle entfernt halten.

2. Den Hülfs-Mannschaften wird das Fordern von Lebensmitteln und Brandwein ohne Entgeld untersagt. Letzterer darf, solange die Löscharbeiten dauern, ohne besondere Genehmigung des Lösch-Dirigenten auch nicht freiwillig oder gegen Entgeld verabreicht werden.

3. Dem Landrathe, dem Districts Commissarius, dem Stellvertreter desselben, der Ortspolizeibehörde, dem Gerichtsschulzen müssen, je nachdem der eine oder der andere zur Leitung der Lösch-Anstalten berufen ist, alle auf der Brandstelle anwesenden Personen ohne Rücksicht auf das Verhältnis, in welchem sie sonst zu demselben stehen, bei 20 Silbergroschen bis zu 10 Thlr. Strafe unweigerlich Gehorsam leisten. Die Fortschaffung und erforderlichen Falls die Verhaftung widerspenstiger oder ungehorsamer Personen ist dem Commissarius oder Demjenigen, der an seiner Stelle die oberste Leitung der Löscharbeiten führt, jeder Zeit gestattet.

 

1870

Es erscheint am 23. Februar 1870 im Teltower Kreisblatt folgende Anzeige: Mein Bauerngut bei K. Wusterhausen, in einer Stunde von Berlin zu erreichen, 287 Morgen Areal, davon 94 Morgen unterm Pflug, 168 Morgen Heide in einer Fläche, 12 Morgen Torf-Wiese, 10 Morgen beste Wiese, 3 Morgen Garten, 233 Morgen Wasser als Miteigenthümer, Gebäude und sämtliches Inventar im guten Zustande, beabsichtige ich sofort zu verkaufen. Preis 8 Mille, Anzahlung 3 bis 4 Mille. Nähere Auskunft bei Julius Bläske in Senzig bei Königs-Wusterhausen.