Senzig im 19. / 20. Jahrhundert (1871 - 1918) - Deutsches Kaiserreich


1870 / 71

 

Deutsch - Französischer Krieg

deutscher Soldat 1870



1871

 

18. Januar 1871 Deutsche Reichsgründung. König Wilhelm I. von Preußen wird Deutscher Kaiser.

 

3. März, Reichstagswahlen, Senzig mit Bindowbrück bildet einen Wahlbezirk, Wahlvorsteher ist der Lehnschulze (Bürgermeister) Meng, sein Stellvertreter der Gastwirt Winkler, das Wahllokal befindet sich in der Schule.

Es dürfen nur Männer ab 25 Jahre wählen, ausgeschlossen sind Frauen (Frauenwahlrecht ab 1918), Militärpersonen, Behinderte und Bezieher von Armenunterstützung.

Im Wahlkreis Teltow, Beeskow-Storkow wird Nicolaus Prinz von Handjery von der Konservativen Partei in den Reichstag gewählt. Handjery stand zu diesem Zeitpunkt der Verwaltung des Kreises Teltow vor. 

 

21. März 1871 der erste deutsche Reichstag wird eröffnet. Otto von Bismark wird Reichskanzler.     

 

10. Mai 1871 Deutsch- Französischer Friedensvertrag. An der Dorfaue wird die "Kaisereiche", später "Friedenseiche" genannt, gepflanzt.

 

1872

 

Ende der Herrschaft Königs Wusterhausen.

 

Die erste KW´er Zeitung erscheint "Intelligenzblatt für Königs Wusterhausen und Umgebung"

 

1873

 

Ende der Königlichen Hausfideikommision Wusterhausen, welche die Polizeiverwaltung ausübte.

 

Ein Senziger Ehemann veröffentlicht am 04. Juni 1873 folgende Mitteilung: "Ich warne Jedermann, meiner Frau, geb. Schlägel aus Krummensee, auf meinen Namen irgend etwas zu borgen, da ich für nichts aufkomme. Senzig bei Königs-Wusterhausen, den 28. Mai 1873. Der Büdner Gallasch"

 

Mitte 1873 kosten in der Region 1 Mandel (15 Stück) Eier 6 Groschen, 500 Gramm Butter 11 Groschen, 5 Liter Erbsen 15 Groschen und 50 Kilogramm Weizen 4 Thaler und 15 Groschen.

 

1874

 

7. Juli, Theodor Fontane fährt an Bord der "Sphinx" auf der Wendischen Spree (andere Bezeichnung für die Dahme) von Köpenick nach Teupitz.


In den "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" beschreibt er diese Reise. Dort ist unter anderem zu lesen:
"Um Mittag hatten wir die Südspitze des Zeuthener Sees erreicht; von fern blickte der Königs-Wusterhausener Turm zu uns herüber. Dann fuhren wir in die Neummühler Schmalung ein, die den Zeuthener See mit dem Krüpel-See verbindet, endlich aus dieser Schmalung in den Krüpel-See selbst. Die Landschaftsbilder blieben dieselben und wechselten erst, als wir, bei Dorf Kablow, aus der bis dahin befahrenen Seenkette der Wendischen Spree in diese selbst gelangten.

Senzig - am Bindower Fließ

Nicht viel breiter als ein Torfgraben, zieht sich hier die Grenze zwischen dem teltowschen und dem beeskow-storkowschen Kreis, bis sie, nach einer Wegstrecke von kaum einer Meile, bei dem Dorfe Gussow abermal zu einem See sich breitet. Unsere Fahrt verlangsamte sich jetzt, da mittlerweile beinahe völlige Windstille eingetreten war; erst eine bei Sonnenuntergang aufspringende Brise führte uns glücklich über den See bis Dolgenbrodt."

 

Am 28. August.1874 gibt der Königs Wusterhausener Amtsvorsteher Brückert bekannt: "Dem Gastwirth Winkler zu Senzig ist in der Nacht von 26. Zum 27. d. Mts, aus dem Stalle seines Gehöftes ein Fuchs-Wallach, 10 Jahre alt, mit einem weißen Hinterfuße, großes schiefer Blesse und Fliegenstich Verwundungen an Hals und Brust muthmaßlich gestohlen worden, was hierdurch mit dem Ersuchen zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird, über den Verbleib des qu. Pferdes eventl. hierher Mittheilung zu machen."

 

Die Senziger Wehrreiter Julius Bläske und August Schulze sowie der Wehrmann Albert Pätel werden, gemäß Verordnung des Landrates für den Fall der Mobilmachung, wegen ihrer häuslichen und gewerblichen Verhältnisse zurückgestellt.

 

1875

 

424 Einwohner

alter Mann, geboren um 1790

Lehrer Schröder übernimmt bis 1878 die Lehrerstelle in Senzig.

 

1878        

 

Das Kind Carl Gustav Ferdinand Roggan, 2 Jahre und 5 Monate alt, aus Senziger Ziegelei, ertrinkt am 03.08.1878 im Krüpel-See bei Senzig.

 

Karl Gottlieb Dühring übernimmt die Lehrerstelle an der Schule Senzig. Die Schule hat 54 Schüler. Dühring beginnt die Schulchronik. Darin nennt er als vorangegangene Lehrer die Namen Kranich, Hindersin und Valentin. Diese hatten außer dem Lehrerberuf gleichzeitig auch noch ein Handwerk ausgeführt.

 

Die Senziger Meng, Heidlehr, A. Schulze, W. Schust, J. Briesenick, Aug. Briesenick, Jul. Briesenick, Wilh. Winkler, Jul. Schröder, Schulze, Wilh. Schulze, Schulze, Paulick. C. Düring, Valentin und Krüger unterzeichnen einen Aufruf zur Wahl des Feldmarschall Graf Moltke in den Reichstag.

 

1878 / 1879

 

Daten zu Aufgeboten, Eheschließungen, Geburten und Todesfällen in Senzig.

(die Zeichen bedeuten: * Geburt, † verstorben, ♂ Sohn bzw. männlich, ♀ Tochter bzw. weiblich, O Aufgebot, OO Eheschließung, SZ Senziger Ziegelei)

06.02.1878

   Friedrich Walz, Schiffer, *♂;

   Caroline Wilhelmine Lehmann geb. Piesnack,  Schiffersfrau, verehelicht, †♀, 50 J.;

   Marie Louise Auguste Schust, †♀, 8 M.;

23.03.1878;

   Wilhelm Friedrich Julius Schulz, Ziegelmeister, *♀;

   Julius Ludwig Resener, Arbeiter, *♀;

   Johanne Christiane Erdmuthe Abel geb. Zimmermann, Witwe, †♀, 65 J.;

   Anna Maria Auguste Paulick, †♀, 2 J.;

10.07.1878

   Johann Wiedenhöft, Arbeiter, *♀;

   Johann Gottlieb Schwandt, Torfmeister, *♀;

   Albrecht, Schiffbaumeister, †♂, 5 J.;

24.07.1878

   August Carl Ludwig Schulze, SZ, Büdner und Schiffer, *♂;

09.10.1878:

   Julius Schröder, Lehrer, *♂;

03.08.1878:

   Johann Carl Friedrich Wulff, Schiffer, *♂;

16.11.1878:

   Wilhelm Schulze, Halbbauernsohn, aus Cablow / Auguste Briesenick, OO;

14.12.1878:

   Franz Schulze, SZ, Schiffer, *♂;

   Friedrich Bläske, Miether, *♂;

   Ernst Schust, Büdner, *♀;

   Albert Paetel, Schiffer, *♀;

18.01.1879

   Wilhelm Schadow, Arbeiter, *♀;

   Friedrich Bläske, SZ, Schiffer / Caroline Purann aus Klein Besten, OO;

05.03.1879

   Anna Helene Streichan, SZ, *♂ unehelich;

   August Nusche, Arbeiter, *♀;

   Dorothea Louise Franke geb. Krüger, verwitwet, Bauerngutsbesitzer, †♀, 78 J.;

23.04.1879

   Lorenz Ewert, Schuhmacher, *♀;

   Anna Louise Paulick, Kossäthen-Altsitzerin, †♀, 88 J.;

   Wilhelm Streichan, †♂, 6 W.;

28.05.1879

   Ferdinand Lehmann, Schiffseigner, *♂;

   Franz Schulze, Schiffer, *♂;

   Friedrich Schulze, Kossäth, *♂;

   Carl Albrecht, SZ, Schiffsbaumeister, *♀;

18.06.1879

   Louis Marzahn, SZ, *♂;

   Wilhelm Schulze, Kossäth, *♂;

   Marie Louise Auguste Nusche, †♀, 4 M.;

30.07.1879

   Louis Stöpper, Arbeiter, *♂;

   Auguste Elise Antonie Winkler, †♀, 2 J.;

   Anne Hedwig Purane, †♀, 1 J.;

   Emma Ida Auguste Schwandt, †♀, 3 J. 10 M.;

   Anna Louise Roggan, †♀, 1 J.;

   Friedrich W. M. Winkler, †♂, 2 J.;

   Anna Luise Auguste Schmohl, †♀, 3 J.;

09.08.1879

   J. F. C. Schmohl, SZ, *♂;

   Alb. Paetel, Schiffs-Eigenthümer, *♀;

   Johann Schärnweber, Hausdiener, †♂, 28 J.;

   Ernst Joh. Aug. Marzahn, †♂, 2 M.;

13.09.1879

   Carl Ferdinand Schulze, SZ, *♂;

   August Wilhelm Carl Kochan, *♂;

   Gustav Julius Eduard Paulick, *♂ und *♀;

   Bertha Streichan, SZ, *♀, unehelich;

   Marie Emilie Bertha Schwandt, †♀, 1 J.;

   Franz Purane, †♂, 7½ J.;

05.11.1879

   H. Schulz, Arbeiter, *♂;

   Schust, Schiffer, *♂;

   Roggan, Schiffbauer, *♂;

   J. Schulze, Schiffer / Elise Lehmann, OO;

   E. G. W. Kochan, †♂, 19 T.;

   C. A. L. Schmohl, SZ, †♂, 2 M.;

17.12.1879

   J. F. W. Blaeske, SZ, Schiffer, *♀;

   Julius Schulze, Schiffer, *♀;

   Wilhelm Fr. E. Schust, SZ, †♂, 8 W.;

 

1879

 

Edison erfindet die elektrische Beleuchtung.

 

In Berlin baut Siemens die erste elektrische Eisenbahn.

 

Die National-Dampfschiffs-Compagnie gibt Fahrpreis-Ermässigung auf kurze Zeit bekannt. So kostet die Fahrt von Stettin nach NewYork jeden Mittwoch 100 Mark und von Hamburg nach New York 90 Mark.

 

In Senzig ist, lt. Anzeige vom 12.11.1879, ein massives 2stöckiges Haus 7 Fenster Front, mit Stallungen, Obstgarten, 6 Morgen Acker und Wald - schuldenfrei – zu verkaufen. Näh. Auskunft ertheilt Herr Dorfschulze Paulick.

 

Und, in Senzig ist eine schöne Wohnung zu vermiethen, auch Tischlerwerkstatt. Näheres Senzig bei Lehmann, Kampf´sches Haus.

 

1881

 

Im "Teltower Kreisblatt" vom 21.09.1881, sind Bestimmung des Landrates des Kreises Teltow für die Reichstagswahlen am 27. Oktober 1881 veröffentlicht. Danach ist für den Ländlichen Wahlbezirk Senzig bestimmt, als Wahlvorsteher der Schulze Paulick, als Wahlvorsteher-Stellvertreter der Schöffe Winkler und als Wahllokal die Schule Senzig.

 

Der Ziegeleibesitzer C. F. Krause bietet am 12.01.1881 an, 500 Wasserleitungs-Thonröhren von 10 ½ bis 45 ¾ cm Lichtendurchmesser im ganzen oder einzeln, billig zum Verkauf auf seiner Ziegelei in Senzig.

 

Die Kehrbezirke und die diesen zugewiesenen Schornsteinfegermeister werden bekannt gemacht. Für Senzig ist der Schornsteinfegermeister Carl Schade zuständndig. Die Kehrlohn-Taxe beträgt in Senzig für das sechsmalige Fegen des Rauchfanges in einem Jahr, z.B. für ein einstöckiges Gebäude mit bewohnbarem Dachgeschoß, jährlich 1 Mark. Für das einmalige Reinigen einer Kochmaschine z.B. mit 3 Ringlöchern sind 0,15 Mark zu entrichten.

 

Die Pferde des Lehngutsbesitzers Meng wurden wegen Roßkrankheit, auf polizeiliche Anordnung vom 28.05.1881, getötet.

 

Der ehemals dem Kossäth Julius Bläske gehörende Hof soll am 06.12.1881 versteigert werden. Zum Hof gehören Acker, Wiesen, Haide, sowie die Hofstelle mit angrenzender circa 3 Morgen großer Fischereigerechtigkeit mit Fischerei-Utensilien, Rohrung und anderen Berechtigungen. 2 Ackerpferde, 3 tragende Kühe, 2 Stück Jungvieh, 2 Schweine 26 Schafe, 2 Ackerwagen, 1 Karre, 1 Pflug, 1 Häckselmaschine, 1 Krümmer, 2 Eggen, 1 Ringelwalze, Gesinde-Betten, Getreide-Säcke, Pferde-Decken, Pferde-Geschirre, Leitern, Bretter, Sensen, Forken, Heu- und Mistgabeln u. dgl. Mehr, sowie Stroh, Heu, Kartoffeln und Runkelrüben.

 

1882

 

Paulick in Senzig verkauft 150 Rm. Kiefern-Spaltholz á Rm 3,50 Mark, sowie eine Quantität Stubben und gutes Reisig, gegen bare Bezahlung. 

 

Das in Schenkendorf gelegene Braunkohlenbergwerk der Gewerkschaft Centrum, bestehend aus 23 Bergwerken soll im Juni versteigert werden. Aus der Versteigerungsankündigung geht hervor, dass Teile des Bergwerkes auch im Gemeindebezirk Senzig gelegen sind. Es gibt bisher keine Erkenntnisse zu Lage dieses Bergwerkes. Möglicherweise handelt es sich dabei aber nur um die später ausgeübten und teilweise heute noch bestehenden Bergrechte in der Senziger Heide zum Kies- und Sandabbau.

 

Der Gastwirt Winkler verkündet: „In Senzig bei Königs Wusterhausen findet am Sonntag, den 27. August Erntefest statt. Der Erntezug beginnt Nachmittags 2 Uhr.“

 

10 Mark Belohnung sind ausgesetzt für den Wiederbringer eines brauner Jagdhund mit weißer Brust, entlaufen am 20. Juli 1882. Unterzeichnet ist mit Villa Borchard.

 

1883

 

Überschwemmung in Senzig. Das Teltower Kreisblatt vermeldet am 06. Januar 1883. Die Seen oberhalb der Oberspree, hinter Schmöckwitz bis Teupitz und Mittenwalde sind gegenwärtig derart angeschwollen,daß sie sämtlich aus ihren Ufern getreten und die Ortschaften Schmöckwitz, Radeland, Nieder-Löhme, Zeuthen, Wernsdorf, Zernsdorf, Senzig, Neue Mühle theilweise unter Wasser stehen. In den Kellern steht fast überall Drängwasser, besonders leiden die Kartoffeln in den Gruben. Viele Heumieten auf den niedrigen Wiesen stehenn ebenfalls im Wasser, so daß die Ackerwirthe mit Kähnen das noch brauchbare Futter bergen müssen.

 

Am 29. Mai 1883, gegen 11 Uhr abends bricht in Senzig Feuer aus. Zwei Bauerngehöfte werden in Asche gelegt. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Bis auf die Hühner und Gänse, welche verbrannten, gelang es das Vieh zu retten. Die Ursache des Brandes war nicht aufgeklärt.

 

Am 07. Juni 1883 verkündet der Königliche Landrat des Teltow´schen Kreises Prinz Handjery in diesem Zusammenhang: „Der Bauernsohn Wilhelm Meng zu Senzig hat bei Gelegenheit des am 29. Mai d.J. in Senzig stattgehabten Brandes durch seine unerschrockene Thätigkeit dazu beigetragen, daß mehreres Vieh des Kossäthen Christoph Schulze gerettet worden ist. Dieses Verhalten des Genannten wird hierdurch belobigend öffentlich anerkannt.

 

Eine Viehzählung in Senzig hat folgendes Ergebnis: 54 Häuser, davon 52 Häuser mit Viehbestand. Zahl der Haushaltungen mit Vieh 81. 48 Pferde, 112 Rinder, 220 Schafe, 119 Schweine, 90 Ziegen und 9 Bienenstöcke bei Alexander Paulick.

 

Herr Wetzel in Senzig bietet im März zum Verkauf an, eine Landwirtschaft, 34 Morgen Acker und Wiesen, eigene Fischerei sowie ein starkes Arbeitspferd.

 

Die „Staatsbürger Zeitung“ berichtet am 21.02.1883 über den unzumutbaren Zustand des Weges von Königs Wusterhausen nach Neue Mühle. Der Landrat setzte sich in der Folge für den Bau einer Chaussee zwischen Königs Wusterhausen und Senzig ein. „Die königliche Hofkammer war diesem Projecte, dessen Ausführung für Senzig eine Lebensfrage ist, durch Bewilligung eines namhaften Beitrages zu den Chausseebaukosten entgegen gekommen. Bei den Senzigern aber predigte der Landrath tauben Ohren. Es fehlte den Vertretern dieser Gemeinde das Verständnis für die Bedeutung eines Anschlusses von Senzig an das Kreischausseenetz und sie lehnten es ab, den ihnen zugemutheten, den Leistungen zahlreicher Gemeinden des Kreises , im Interesse des Chausseebaues proportionirten Beitrag zu bewilligen. Es wird jetzt voraussichtlich der Weg von Königs-Wusterhausen nach Zernsdorf chaussiert werden, wozu die Gemeinde Senzig einen obligatorischen Präcipual-Beitrag zu leisten haben wird, ohne den ihr gebotenen Vortheil einer Chausseeverbindung zu genießen.“

 

Der Königl. Oberförster Hartig zu Kgs.-Wusterhausen wird per 01.12.1883 ernannt zum Chausseevorsteher der z.Z. im Bau begriffenen Kreis-Chaussee vom Kgs.-Wusterhausen´er Bahnhofswege nach Senzig.

 

In Senzig bricht eine Diphteritis-Epedemie aus. Die Erkrankung ist gemäß Anordnung vom 14.11.1883 anzeigepflichtig.

 

1884

 

Es wird bekannt gemacht, dass ab dem 24. März 1884 mit der Chaussierung der Straße von Königs Wusterhausen Güterschuppen ab nach Senzig begonnen werden soll.

 

Zum bevorstehenden Erntefest in Senzig schrieb das Teltower Kreisblatt am 6. August 1884: „Wie aus dem Inseratentheil zu ersehen ist, soll das seit einigen Jahren eingeführte und stehts mit allgemeinem Beifall aufgenommene Erntefest auch in diesem Jahre hier wieder und zwar am Sonntag, den 10. August Nachmittags, gefeiert werden. Das Erntefest zu feiern ist eine uralte Sitte, ein ländliches Volksfest, was leider, außer in den größeren Berliner Vergnügungs-Etablissements, in den wenigsten Ortschaften unserer Mark Brandenburg noch gefeiert wird. Umsomehr freuen wir uns, daß die Senziger dieses schöne Fest wieder bei sich eingeführt und den Willen haben, es alljährlich zu feiern. Seit zwei Jahren hatten wir jedesmal Gelegenheit, dem Feste beizuwohnen, und müssen gestehen,  daß diese Nachmittage in unserer Erinnerung als höchst angenehm fortleben. Nur über einen Umstand hatten wir damals zu klagen, und zwar war für auswärts wohnende Festtheilnehmer der Anfang des Festes, Nachmittags 2 Uhr, zu früh. Diesem Umstand ist in diesem Jahre abgeholfen, indem der Festzug der Schnitter und Schnitterinnen erst um 3 Uhr Nachmittag seinen Anfang nehmen wird. Sein gewohntes Mittagsschläfchen wird also wohl niemand zu entbehren nöthig haben, wenn er sich mit dem Mittagsmal ein wenig früh einrichtet. Nach Beendigung des Festzuges findet Konzert im Freien, und während desselben eine Lotterie für Kinder sowie Volksbelustigungen verschiedener Art statt. Außerdem sind verschiedene Überraschungen geplant, die wir aber, weil es eben Überraschungen sein sollen, nicht ausplaudern dürfen. Wir empfehlen allen Freunden des Volksfestes, die ein Stück urwüchsigen Humors lieben, sich das Erntefest anzusehen, und wir glauben, daß die Lachmuskeln eines Jeden Bewegung genug erhalten werden und die Festtheilnehmer den gastfreien Senzigern auch in diesem Jahre zum Erntefest den Besuch nicht versagen, sondern wiederholen werden.“

 

Der Chausseevorarbeiter Friedrich Ziehe aus Senzig ist per 09.07.1884 zum Chausseewärter der Kgs.-Wusterhausen – Senziger Chaussee bestellt worden.

 

Der Kossäth Wilhelm Schulze II wird als Steuer-Erheber der Gemeinde Senzig vereidigt.

 

Der Kaufmann J. F. Wetzel wird für Senzig zum öffentlichen Fleischbeschauer bestellt. Im Oktober 1886 zieht Herr Wetzel nach Berlin und der Schneidermeister Schust aus Senzig wird der Nachfolger.

 

Der domizillose angebliche Arbeiter Wilhelm Gurisch, 24 jahre alt, aus Senzig, vielfach wegen Bettelns und Vagabondirens vorbestraft, wird im Oktober 1884 wieder wegen Vagabondirens zu 14 Tagen Haft und Ueberweisung an die Landespolizei-Behörde, sowie wegen Unterschlagung zu 14 Tagen Gefängnis bestraft.

 

Nachdem im Oktober in Zeesen ein vermutlich tollwütiger Hund erschossen werden musste, wird u.a. auch für Senzig bestimmt, dass alle Hunde für 3 Monate an die Kette zu legen oder einzusperren sind. Zuwiderhandlungen sind mit Strafen bedroht. Frei herumlaufende Hunde sind sofort zu töten.

 

1885

 

Senzig erhält eine Feuerspritze.

 

Am 3. März 1885 beschließt der Kreistag die Erbauung einer Kreis-Chaussee von der Königs Wusterhausener – Senziger Chaussee nach Neue Mühle.

 

Das Füsilier-Bataillon des Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1 rückt von Berlin aus, um in der Zeit vom 9. Bis 20. Juni in hiesiger Gegend Übungen im Gefechtsschießen abzuhalten. Das Bataillon wird während der Dauer derselben in den Ortschaften Königs Wusterhausen, Hoherlehme, Senzig, Zernsdorf und Deutsch Wusterhausen Cantonnements Quatiere beziehen.

 

Der Kossäth Karl Curt wird per 15. August 1885 als Schöffe der Gemeinde Senzig gewählt und bestätigt.

 

In Senzig wird am 24.09.1885 Nachmittags 2 Uhr im Winkler´schen Holzschlage durch den Königs Wusterhausener Gerichtsvollzieher Fliege öffentlich meistbietend verkauft gegen gleich bare Bezahlung, 65 Meter Kiefern-Holz. Kauflustige waren aufgefordert sich um 1 Uhr im Winkler´schen Gasthofe in Senzig zu versammeln.

 

1886

 

 

Der Kossäth Wilhelm Schulze I. wird per 08.04.1886 als Schöffe der Gemeinde Senzig gewählt und bestätigt.

 

Das Teltower Kreisblatt berichtet am 29. Mai 1886 über Kurpfuscherei mit recht betrübenden Folgen: Vor einiger Zeit erkrankte in Senzig der Sohn des Kossäthen Schulz an einem Fußleiden. Herr Dr. Hirschfeld aus Königs Wusterhausen übernahm die Behandlung des Kranken, stellte jedoch dieselbe wieder ein, nachdem er merkte, Daß seine Verordnungen nicht befolgt wurden. Es hatte sich inzwischen ein Wunderdoktor gefunden, der die Kur des armen 12 jährigen Jungen übernommen hatte, unter welcher sich aber an dem kranken Fuß der Knochenfraß ausgebildet hatte. Das Übel hat sich derart verschlimmert, daß vor etlichen Tagen Herr Dr. Zimmermann aus Königs Wusterhausen unter Assistenz des Herrn Dr. Hirschfeld eine Amputation des Fußes hat vornehmen müssen.

 

In Senzig brechen im August 1886 die Masern aus. Es besteht Anzeigepflicht gegenüber der Polizeibehörde. Bei Verstößen gegen die Anzeigepflicht drohen Strafen.

 

Von den Tongruben in Körbiskrug zur Ziegelei und Verladestelle in Senzig wird eine Transportbahn gebaut.

Im Vorfeld schreibt am 2. Juni 1886 der Landrat des Kreises Teltow an den Regierungspräsidenten in Potsdam, zur Einholung der Genehmigung:

(Übersetzung des vorstehenden Textes)

Königliches Landrats-Amt des Kreises Teltow                 Berlin, den 2. Juni 1886

Betrifft

Die Anlage einer schmalspurigen Schleppbahn von Körbiskrug nach Senzig mit Dampfbetrieb

- Neue Sache -

An den königlichen Regierungs-Präsidenten Herrn von Neefe Hochwohlgeboren Potsdam

Euer Hochwohlgeboren verhehle ich nicht in Folge Antrages des zu Charlottenburg wohnhaften Oskar Maywald auf Erteilung der Genehmigung zur Anlage einer schmalspurigen Schleppbahn mit Dampfbetrieb von Körbiskrug nach Senzig anliegend

1. einen Erläuterungsbericht in duplo,

2. eine statistische Berechnung in duplo,

3. ein Grundbuch der Locomotive No. 260,

4. eine Profil-Zeichnung über das Bahngeleise in duplo,

5. eine Zeichnung über die Unterführung eines Feldweges an der gn. Bahn in duplo,

6. eine Zeichnung über die Locomotive und Wagen in duplo

zur hochgeneigten Kenntnißnahme mit dem Berichte gehorsamst zu überreichen, daß meinerseits gegen das beregte Project polizeiliche Bedenken nicht geltend zu machen sind.

Der Landrat des Kreises Teltow

 

Am 14.09.1886 schreibt das Teltower Kreisblatt: „Die Kolonie „Neu Kamerun“ verdankt seine Entstehung der Auffindung eines Thonlagers durch den Ziegeleibesitzer Herrn Klakow, das im Herbst 1885 inmitten des Nadelholzwaldes entdeckt wurde.Nachdem ein Konsortium etwa 200 Morgen von den Besitzern erworben hatte, wurde das Grundstück abgeholzt und nun begann die Ausnutzung des Erdbodens. Die ungünstige Verbindung mit der nächstbelegenen Wasserstraße, dem Senziger See, welcher etwa 4 Kilometer von dem Thonlager entfernt ist, machte die Anlage einer Sekundärbahn erforderlich, auf welcher der Thon, in Lowris verladen, von der Fundstätte nach den im Senziger See lagernden Frachtkähnen befördert wird. Außer der bei Neue Mühle belegenen Ziegelei des Herrn Klakow versorgt das Werk ausschließlich zwei weitere größere Ziegelein mit Thon. Gegenwärtig werden täglich gegen 200 Lowris Thon abgefahren und verladen. Im nächsten Jahre wird in unmittelbarer Nähe des Thonwerkes eine Ziegelei errichtet, um die Anfertigungskosten der Ziegelsteine noch billiger zu stellen. Für die Beamten und Arbeiter des Thonwerkes werden abseits, nahe der Grenze des Komplexes, massiv konstruirte Gebäude aufgeführt, welche Wohnungen, Schlafräume und Speisesäle erhalten. Dieser Theil des Terrains ist das eigentliche Neu Kamerun, die Kolonie. Einige der ersten Arbeiter legten dem Ort diese Bezeichnung bei, sie wurde von den Herren Maywald, Steinberg und Klakow angenommen und erhielt auch die Zustimmung der Behörde."

(Anm.: "Neu Kamerun" war bzw. ist Teil der Zeesener Siedlung Körbiskrug. Seit 2003 ist Zeesen Ortsteil der Stadt Königs Wusterhausen.)

 

1887

 

Im Jahr nach der Genehmigung der Schmalspurbahn zwischen Körbiskrug und Senzig, entsendet die königliche Regierung einen Inspektor, der den Betrieb der Schmalspurbahn überprüft. Darüber fertigt der Inspektor sodann den folgenden Bericht:

(Übertragung des Berichtes aus Sütterlinschrift Herbert Turley)

"Wasserbauinspektor Borchers          Potsdam, den 5. Mai 1887 

         Betrifft

die schmalspurige Lokomotivbahn des Ziegeleibesitzers O. Maywald bei Senzig

Zur Verfügung vom 12. Januar v. J.  I  8. / 9. No. 483. 1.

    1 Anlage

An den Königlichen Regierungspräsidenten

Herrn von Neefe

  Hochwohlgeboren

        Hierselbst

In Verfolg des mir durch die nebenbezeichnete Verfügung erteilten Auftrags habe ich am 26. April v. J. den Betrieb auf der Maywald´schen Industriebahn bei Senzig einer bahngeologischen Prüfung unterzogen. Über das Ergebnis derselben beehre ich mich Euer Hochwohlgeboren folgenden Bericht gehorsamst zu erstatten.

Der Waldschutzstreifen beiderseits der Bahn ist nur teilweise blosgelegt. Große und kleine Kiefern sind in erheblicher Anzahl stehen gelassen und nur deren untere Zweige abgehauen. Die Feuergefahr für die angrenzenden Kiefernbestände wird dadurch nicht beseitigt. Funken der Lokomotive können die unter den Bäumen angesammelten trockenen Nadeln entzünden und diese das Feuer auf die Bäume übertragen. Der Eigenthümer wünscht die Erhaltung der Bäume, was nur gestattet werden kann, wenn die Schutzstreifen von Nadeln und Reisig fortwährend gesäubert werden. Die Gefahr eines Brandes wird dadurch aber nur abgeschwächt.

Damit der Lokomotivführer die Übergänge genügend überblicken kann müssen die Schutzstreifen auf 50 m zu beiden Seiten dieser Überfahrten vollständig abgewaldet werden.

2. Die vorgeschriebene Einfriedung des Bahnkörpers gegen den Parallelweg hat in erster Linie den Zweck, zu verhindern, daß beim scheuwerden der Pferde das Fuhrwerk auf die Schienen gelangen kann. Deshalb ist die Einfriedigung nicht auf diejenigen Stücken zu beschränken, wo der Steg höher als die Bahn liegt, sondern längs des ganzen Weges, also zwischen Station 1,230 u 2,800 herzustellen.

Nach meiner Wahrnehmung fuhren die Züge mit erheblich größerer Geschwindigkeit, als nach der Concession erlaubt ist.

Bei der vorgefundenen guten Beschaffenheit der Gleise und weil die wenigen vorkommenden Courven verhältnißmäßig flach sind, könnte eine größere Geschwindigkeit (etwa 15 km in der Stunde) unbedenklich auf der Strecke zwischen Station 0,400 und 3,000 unter der Vorausbedingung zugelassen werden, daß an den Überwegen ein ordnungsmäßiger Wärterdienst eingerichtet wird. Da der Verkehr über die Bahn auf dieser Strecke äußerst gering ist, könnte gleichzeitig in Erwägung genommen werden, die Überwege für gewöhnlich abgesperrt zu erhalten und die Wegeschranken nur beim Passieren eines Fuhrwerks zu öffnen.

Bis zur erfolgten Genehmigung derartiger in Aussicht genommener Anträge des Unternehmers darf indessen aus Rücksicht gegen den Verkehr über die Bahn nur mit 10 km Zug-Geschwindigkeit in der Stunde gefahren werden, welche Geschwindigkeit beim Passieren eines Überganges auf 3 km zu ermäßigen ist, was überwiegend ausdrücklich vorgeschrieben war.

4. Die Lokomotivführer haben einen Fähigkeitsnachweis beizubringen. Ich bemerke gehorsamst, daß auch bei der Concessionierung der gleichen Oppenheim´schen Eisenbahn bei Rüdersdorf diese Bedingung gestellt wurde.

5. Die während meiner Anwesenheit beobachteten Züge waren nicht mit Wagenbremsern besetzt. In Anbetracht, daß die Lokomotivbremse für sich allein nicht die Geschwindigkeit des Zuges auf kurze Entfernung zu hemmen im Stande ist, was ja bei den Übergängen stets geschehen soll, ferner, daß bei Versagen der Lokomotivbremser das größte Unglück eintreten kann, wird dem Unternehmer die Beachtung der Vorschrift einzuschärfen sein, daß in jedem Zuge die genügende Zahl Wagen, mindestens aber ein Wagen mit Bremsvorrichtung vorhanden und auch wirklich von einem Bremser bedient sein muß.

6. Bereits sind 2 Maywald´sche Lokomotiven auf der Bahn in Thätigkeit. Dieser Umstand erheischt Maßregeln zur Verhütung von Zusammenstößen. Es dürfte der Betriebsunternehmer die Nachweisung beizubringen haben, auf welche Weise er diejenigen Teilstrecke auf welcher die eine Lokomotive z. Z. sich bewegt, während dieser Zeit gegen die Nachbarstrecken betriebssicher blockieren kann.

7. Daß nur die am Zugdienst direkt Beteiligten auf den Zügen fahren und keine anderen Personen (auch nicht unentgeltlich) mitgenommen werden dürfen, müßte m. E. zur Bedingung gemacht werden, da hiergegen dem Vernehmen nach verstoßen wird.

8. Außer den Maywald´schen benutzen auch Lokomotiven des Ziegeleibesitzers Krause große Strecke dem pp. Maywald concessionierten Gleises zur Beförderung von Thon und Kohlen zwischen Senzig und Körbiskrug. Meines Wissens besitzt pp. Krause keine Concession zum Betrieb, und ich glaube, daß das Mitbenutzenlassen seiner Gleise dem p. Maywald bei Strafe verboten werden muß, um so mehr als der Betrieb auf einer und derselben Gleisstrecke Seitens zweier Industrieller nur unter besonderen Bedingungen genehmigt werden kann. Eine zuvorige eingehende Prüfung der zur Sicherheit eines solchen Betriebes etwa erforderlichen Maßnahmen ist unter allen Umständen erforderlich.

Meine Reisekosten-Rechnung schließe ich mit der Bitte um hochgeneigte Zahlungsverfügung gehorsamst an.

Der Königliche Wasserbauinspektor

Borchers"

 

Am 6. August 1887 ertrinkt der 22 jährige Sohn des Senziger Lehrers F. Herrmann im Senziger See. Für die bereitwillige, anstrengende Hilfe bei der Auffindung des Verunglückten und die Teilnahme bei der Beerdigung bedankt sich der Vater den Senzigern.

 

Der Gastwirt Wilhelm Winkler hat per 17.09.1887 das Aufgebot zu einem Hypothekenpfandbrief, betreffend sein Grundstück, bestellt. Gläubigerin war die ursprünglich unverehelichte Auguste Schulze, die später dann Witwe nach dem Kossäth Friedrich Paetel war und letztlich Ehefrau des Handelskaufmann Albert Noack, wohnhaft in Berlin, wurde.

 

1888

 

Per Erlaß wird das durchschnittlich Jahreseinkommen für land- und forstwirtschaftliche Arbeiter festgelegt. Dabei handelt es sich um eine Grundlage für Zahlungen bei Verletzungen infolge Unfällen oder Todesfällen. Demnach wurden für die Gemarkung Senzig zugrunde gelegt: für männliche Erwachsene 450,- Mark, für männliche Jugendliche 240,- Mark, für weibliche Erwachsene 300,- Mark und für weibliche Jugendliche 180,- Mark.

 

Wilhelm I., Deutscher Kaiser stirbt, Friedrich III., (18.10.1831 - 15.6.1888), wird Deutscher Kaiser, nach 99 Tagen als Kaiser stirbt er,

 

Wilhelm II., (27.1.1859 - 4.6.1941, wird Deutscher Kaiser bis zum 9. November 1918


1889

 

Der Ort ist jetzt durch eine Kreischaussee mit Königs Wusterhausen verbunden. Die Kopfsteinpflasterstraße ging am Dorf vorbei. In das Dorf musste man abbiegen.

 

Am 8. Februar 1889 wird berichtet, dass ein höchst beklagenswerthes Unglück hat am Dienstag 8. Februar 1889 auf der Senziger Chaussee den Kutscher Kannengießer betroffen hat. Derselbe gerieth beim Steinefahren unter den schwerbeladenen Wagen und wurde so unglücklich über beide Beine gefahren, daß sein Zustand ein nahezu hoffnungsloser ist. Der Bedauernswerthe, welcher Vater von sieben Kindern ist, befindet sich in einem Berliner Krankenhause.

Am 23. Februar 1889 kam es diesbezüglich zu einer Gerichtsverhandlung vor der Strafkammer des Landgerichtes von Berlin. Dazu wurde berichtet: Der Kutscher Valentin Schatulla aus Senzig ist angeklagt, sich der schweren Körper-Verletzung des Arbeiters Kannegießer, dadurch schuldig gemacht zu haben, daß er mit dem Fuhrwerk seines Dienstherren, in welchem derselbe sich befunden, auf der Chaussee bei Königs Wusterhausen, den mit einem Steinwagen vor ihm fahrenden Arbeiter Kannengießer, der neben seinem Fuhrwerk ging, im Trabe so dicht vorbeigefahren sei, daß dieser vor den Steinwagen geschleuder und von demselben überfahren sei. Schatulla behauptet, nicht schuldig zu sein. Als Zeugin ist eine Arbeiterfrau Mecklenburg geladen. Bei ihrer Vernehmung stellt sich jedoch heraus, daß der Briefträger Palm aus Gräbendorf ein Hauptzeuge in der Sache, nicht geladen war. Es wird deshalb die Verhandlung verlegt und beschlossen, zu dem neu anberaumten Termin, außer den heut geladenen Zeugen auch den Briefträger Palm vorzuladen.

 

Am 27. Juli 1889 musste Frau Rösler aus Senzig folgende Erklärung abgeben: "Die gegen Herrn Schuhmachermeister Kochan zu Senzig ausgesprochenen Beleidigungen, welche ich unüberlegt, was mir sehr leis thut, ausgesprochen habe, nehme ich hiermit zurück und erkläre Herrn Kochan für einen durchaus ehrenwerthen Mann."

 

Einige Benutzer der neuen Chaussee wollen sich um die Entrichtung des zu entrichtenden Chausseegeldes drücken. In der Folge werden bis 1891 einige Maßnahmen ergriffen um solches zu unterbinden.

Am 23.08.1889 heist es: Neuerdings ist hier und in der Umgegend eine Petition an das Königliche Landrathsamt colkortiert worden, in welcher um eine Verlegung des an der Königs Wusterhausen – Senziger Chaussee projektirten Chausseehauses um ca. 100 auf die Richtung nach Senzig zu und um Chausseegeld-Ermäßigungen gebeten wird.

 

Der Kreistag genehmigt dann am 09.10.1889 die Errichtung eines Chausseegeld-Erheber-Etablissements an der Königs Wusterhausen - Senzig-Bindowbrück´er Kreis-Chaussee. (Bei diesem Etablissement handelte es sich vermutlich um das später als "Nasses Dreieck" bekannte und 1945 abgebrannte Imbisshäusschen am Ortseingang aus Richtung Königs Wusterhausen)

 

Am 30.06.1891 trifft das Königliche Kammergericht dann sogar eine Entscheidung zur häufig vorgekommenden Umfahrung der Chausseegelderhebungsstelle Neue Mühle, durch Benutzung des kürzeren Weges von Senzig nach Neue Mühle durch den Tiergarten. Vor der Benutzung dieses Weges ohne zuvor entrichtetes Chausseegeld warnten Schilder . 2 Personen wurden wegen Verstoßes dagegen, als Abschreckung, bestraft.

 

In einem Inserat vom 12.12.1889 wird offeriert: "Zwei ziemlich neue, große Fischer-Scheppe sind billig zu verkaufen. Näheres beim Gemeinde-Vorsteher Paulick, Senzig" (Scheppe steht für Boote, Schiffe, Kähne. Die Verwendung des Begriffes ist möglicherweise ein Sprachrelikt des vormals in der Gegend gesprochenen Teltower Platt)

 

1890

 

507 Einwohner

 

Die Kreischaussee von Königs Wusterhausen über Senzig nach Bindow ist fertiggestellt.

 

1891

 

Einrichtung des Bahn-Vorortverkehrs Berlin - Königs Wusterhausen

   Fahrpreise vom Görlitzer oder Schlesischen Bahnhof nach:

   - Baumschulenweg und Johannisthal (jetzt Schöneweide) - II. Klasse 15 Pf.   III. Klasse 10 Pf.,

   - Adlershof, Glienicke (nicht mehr vorhanden) und Grünau - II. Klasse 30 Pf.   III. Klasse 20 Pf.,

   - Schmöckwitz (jetzt Eichwalde) - II. Klasse 45 Pf.   III. Klasse 30 Pf.,

   - Hankels Ablage (jetzt Zeuthen) - II. Klasse 60 Pf.   III. Klasse 40 Pf.,

   - Königs Wusterhausen - II. Klasse 85 Pf.   III. Klasse 55 Pf..

 

In Senzig führte die von Körbiskrug bzw. Groß Besten (Bestensee) kommende und zurückführende Schmalspurbahn über die Chaussee hinweg bis zur Ablage (Zwischenlagerplatz für Steine und Tonwaren die nach Berlin verschifft werden sollten) - jetzt Liegewiese neben der Bootswerft Albrecht.

Offensichtlicht stellte die Querung der Chaussee durch die Bahn ein Risiko dar und wurde deshalb mit nachfolgender Polizeiverordnung geregelt:

(Übersetzung des vorstenden Textes)                             

Polizei-Verordnung

Auf Grund des § 5 des Gesetzes über die Polizei-Verwaltung vom 11. März 1850 und des § 62 der Kreis-Ordnung vom 13. Dezember 1872 / 19. März 1881 wird unter Zustimmung des Amts-Ausschusses mit Genehmigung der Königlichen Regierung zu Potsdam gemäß § 144 des Gesetzes über die Allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 folgende Polizei-Verfügung erlassen.

 Senziger Paragraph

Der § 11 der Polizei-Verfügung für die von der Ablage am Senziger See bis  zum Thonlager in der Feldmark Groß Besten führende schmalspurige Locomotiv-Eisenbahn vom 28ten October 1887, (publiciert in No. 128 des Kreisblattes Kreises Teltow vom 3. November 1887) erhält nachstehenden Zusatz:

„derselbe(*) darf mit einem Zuge oder mit einer Locomotive nur dann den Übergang an der Senziger Chaussee passieren, wenn die an derselben angebrachten Barrieren geschlossen sind.“

 Königs-Wusterhausen, den 12. September 1891

 Der Amtsvorsteher.

     Herbst

*gemeint ist hier der Lokomotivführer

1892

 

Der Kossäth Wilhelm Schulze II ist am 6. Dezember 1892 zum Gemeinde-Vorsteher der Gemeinde Senzig gewählt und als solcher bestätigt worden.

 

1893

 

Die Senziger Schule hat 120 Schüler. Der Lehrer Dühring geht nach 39 1/4 Jahren in den Ruhestand. Der Lehrer Karl Denzien wird am 1. April Nachfolger bis zum 1. Oktober 1897.

 

1894

 

10. April; In der 45. Sitzung des Preußischen Landtages wird hinsichtlich des Bau einer neuen Bahnlinie von Königs Wusterhausen über Storkow und Beeskow nach Grunow, dafür plädiert, dass dieses Linie über Senzig und Bindow nach Friedersdorf geführt werden soll. Letztlich setzten sich aber wirtschaftliche Interessen der Zernsdorfer Ziegelei durch und die (längere) Strecke wurde über Zernsdorf und mit einem hohen Aufwand über den Lankensee gebaut. 1898 wurde der Bahnbetrieb aufgenommen.  

Vordem hatte am 29.10.1889 auch das Teltower Kreisblatt noch geschrieben: "Unsere Mittheilung von der Inangriffnahme des Baues der Bahn Beeskow – Kgs. Wusterhausen bestätigend, geht uns die Nachricht zu, daß sämtliche von der Bahn berührte resp. als Haltepunkte anzusehende Ortschaften von der Eisenbahndirektion Berlin von dem Beginn der Vorarbeiten benachrichtigt worden sind. Als solche Stationen sind Storkow, Friedersdorf und Senzig zwischen den beiden Endpunkten Beeskow und Kgs. Wusterhausen vorgesehen."

 

1894

 

Gründung des Männergesangsverein Senzig.

 

Der Landrat Stubenrauch gibt am 8. Dezember bekannt, dass der Bäckermeister Adolf Regeler aus Königs Wusterhausen beabsichtigt auf seinem Grundstück in Senzig eine Schlächterei zu errichten. Einwendungen können vorgebracht sowie Zeichnungen und Beschreibungen im Büro des Landrates eingesehen werden.

 

1895

 

652 Einwohner

 

In 1895 / 1896 erhielten z.B. folgende Senziger Jahresjagdscheine: der Schmiedemeister Desche, der Gutsbesitzer F. Massante und der Kossäthensohn Johannes Schust.

 

Am 28. August 1895 schreibt das Teltower Kreisblatt: „Die alte Wegeunterführung am Bahnhof Königs Wusterhausen, welche die Straßen von Königs Wusterhausen, Neue Mühle, Senzig, Friedersdorf, Niederlehme u.s.w. verbindet, war seit vielen Jahren ein großer Übelstand. Im Jahr 1884 ließ die Eisenbahn-Verwaltung eine neue Wegeunterführung bauen. Mit diesen Arbeiten wurde im Juni 1894 begonnen. Wegen des hohen Wasserstandes ist an der betreffenden Stelle die Straße in ihrer ganzen Breite mit einer 75 cm starken Betonierungsschicht versehen. Die Unterführung ist 6 Meter breit, 3,57 Meter hoch und hat eine Gesamtlänge von 29 Meter. Nach Osten und Westen schließen sich noch 12 Meter lange Futtermauern an und ist die Straße bis dahin ebenfalls betoniert, damit das Grundwasser nicht in die Unterführung dringen kann. An diese Flügel schließt sich eine 6 Meter breite, gut gepflasterte Straße an, welche zur Zeit Ihrer Vollendung entgegen geht. Die Unterführung ist mit gutem Klinkermauerwerk in Zement ausgeführt; über diese führen 5 Gleise der Berlin - Görlitzer Eisenbahn. Die Arbeiten waren wegen des Betriebes sehr schwierig. Die alte Unterführung wird nur von Fußgängern benutzt, sie ist hauptsächlich deshalb stehen geblieben, um bei etwa eintretendem  großen Wasserstande für Fuhrwerke wieder geöffnet zu werden. Diese Unterführung hat eine Breite von 3,70 m und eine Höhe von 2,75 m. Es ist schon wiederholt vorgekommen, daß in der 85 cm höher liegenden Straße das Wasser 3 bis 4 Wochen gestanden hat und erstere für Fußgänger unpassierbar war."

 

Die Senziger Schule hat 132 Schüler. Ein zweiter Lehrer muss eingestellt werden.

 

Der Bau eines neuen Schulhauses wird unumgänglich. Am 12. Juli wird das Projekt des neuen Schulhauses in Senzig der Regierung vorgelegt, die es unter kleinen Änderungen annahm. Den Plan zum Bau des neuen Schulhauses hatte der Hof- und Zimmermeister Neumann aus Königs Wusterhausen angefertigt und die Bauausführung wurde dem Bauunternehmer Grüneberg übertragen.


Senzig Chausseestraße

Konfirmantin in Senzig, Foto von Joh. Friedewald, Senzig

Frau Martha Lehmann geb. Grüneberg mit ihrem Ehemann Herrn Lehmann, Maler - um 1895 (Sammlung Schwabe)

1896

 

Am 1. Mai werden die Räume des neuen Schulhauses für den Unterricht übergeben. Die bisherige Halbtagsschule wird in eine dreiklassige Schule ungewandelt.

 

Als zweiter Lehrer wird Johannes Wohlbrandt eingestellt.

um 1896, Kinder der Senziger Schule mit Lehrer und Lehrerin - Namen leider nicht bekannt,

(Sammlung Nowak, Reproduktion und Bearbeitung Herbert Turley)

Das Lehnschulzenhaus und die neue Schule von 1896

 

1897

 

Am 19. Februar erhält Senzig Straßenbeleuchtung mit Petroleumlampen.

 

um 1897

Ziegelbrennöfen und Ablagen am Fuß des Spitzberges

Dampfsägewerk des Josef Stöberl

Darstellung der Ziegelei und des Dampfsägewerkes unterhalb des Spitzberges auf Postkarten (Sammlung Schaller, Bearbeitung Turley)

Die Ziegeleibrennöfen und Ablagen am Fuß des Spitzberges sowie das Dampfsägewerk in Senzig, auf einem Kartenausschnitt von 1902 (D.S.M. = Dampfsägemühle) 

und das identische Gebiet auf einem Kartenausschnitt von 2017

 

Zu gewerblichen Zwecken wurden in Senzig Eisenbahnen unterhalten, von dem Ziegeleibesitzer Krause in der Senziger Feldmark und von dem Ziegeleibesitzer Schulze zu Senzig. Eine Lorenbahn verband die Tongruben (jetzt Tonteiche) bei Körbiskrug mit der Ziegelei sowie der Verladestelle in Senzig. Die ehemalige Bahntrasse ist heute noch teilweise in den Flurkarten erkennbar.

 

o.J.

 

Das verhältnismäßig starke Anwachsen der Einwohnerzahl im Verlaufe des 19.Jahrhunderts erklärt sich hauptsächlich durch die Anlage von Ziegeleien, ferner auch von Kieswerken.

 

1897

 

An der Senziger Schule wechseln zahlreiche Lehrer. 1897 geht der Lehrer Denzin nach Königs Wusterhausen und der Lehrer Ernst Herholtz erhält die zweite Lehrerstelle.

 

1899

 

Der Senziger Verschönerungs- und Verkehrsverein setzt im alten Dorf Ahorn- und Kastanienbäume.

 

Anfang des 20. Jahrhunderts

Die Ortslage Senzig-Mitte mit dem alten Dorf und der Senziger Ziegelei auf einem Kartenausschnitt (zwei zusammengefügte Kartenblätter) von 1902

und das identische Gebiet auf einem Kartenausschnitt von 2017

 

1900

 

728 Einwohner, 179 Haushaltungen, 108 Häuser

 

1901

 

Der Lehrer Ernst Herholtz verlässt 1901 die Senziger Schule. Ihm folgen jeweils für wenige Monate Eduard Schmidt und Wilhelm Schmidt. Dann kam der Lehrer Schütze.

Postkarte aus Senzig - 1902

 

1904-1945

 

In persönlichen Aufzeichnungen berichtet die 1904 geborene, spätere Senzigerin, Charlotte Bahlke, über ihr Leben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

 

1905 

 

962 Einwohner

 

1906

 

Die Post ist im Gasthof Bläsicke an der Kalsche (Dorfteich) untergebracht. Von hier fuhr die Paetel´sche Postkutsche.

 

Die Lehrer Schütze und Wohlbrandt verlassen die Senziger Schule. Dafür kamen Karl Brusgatis und Max Würpel.

1906 errichtet der junge Senziger Bauunternehmer Otto Grüneberg für seine 6 köpfige Familie, in der Chausseestraße 155, ein Wohnhaus mit weiteren Gästezimmern und einem Geschäft. Das Geschäft betrieb seine Ehefrau, die sich gleichzeitig um die 4 Kinder kümmert. Das erste Foto (ein Ausschnitt aus dem nachfolgenden) zeigt die Familie Grüneberg (und ein fremdes Kind). Auf dem nachfolgenden Foto ist das Wohnhaus mit der schön gestalteten Fassade zu sehen. Im Haus wurden, als Zuverdienst, Zimmer vermietet. Auf einem Foto aus 1928 hält vor dem Haus der Omnibus, welcher zwischen dem Bahnhof Königs Wusterhausen über Senzig nach Bindow und zurück verkehrte. Ein Foto aus den 40´er Jahren zeigt noch einmal die aufwendig gestaltete Fassade und den Tabakladen. Der Tabakladen wurde später aufgegeben und Bestandteil einer Wohnung. Das große Schaufenster wurde zugemauert und die Fassade zeitgemäß verputzt. (Fotos: Sammlung Schwabe, Bearbeitung Turley)

1907

Familienfoto - Senzig 1907 (Ina D., zeitstimmen.de)

Der kleine Junge im Matrosenanzug war der Vater der Ina Droste. Insofern ist anzunehmen, dass auf dem Foto im weiteren die Urgroßmutter (sitzend in der Tür), die Großeltern sowie Tanten und ein Onkel der Ina Droste abgebildet sind

(Fortsetzungen - siehe 1928 und 1952)

Senziger Kinder - 1907 (Ina D., zeitstimmen.de) (Rekonstruktion des Fotos: Herbert Turley)

Der Junge links war vermutlich der Vater der Ina Droste und die Frau im Fenster ihre Urgroßmutter.

(Fortsetzungen - siehe 1928 und 1952)

 

1908

 

Dorfschulze (Bürgermeister) war bis 1908 Wilhelm Schulze II (Greian-Schulze) und von 1908 bis 1915 der Bauer Friedrich Massante.

 

Die Schule hat 186 Schüler.

 

3/4 des Besitzes der CITY Actien-Baugesellschaft, gegründet 1872, die Tarrains in Senzig besaß, werden versteigert. Die Gesellschaft konnte die Hypotheken nicht mehr bedienen.

Senzig - 1908

Die Schilfeindeckung der Gebäude und das fehlen weiterer Bäume im Hintergrund deuten auf eine ufernahe Lage hin. Vermutlich handelt es sich deshalb um eine Hofstelle in dem ehemaligen Siedlungsteil "Senziger Ziegelei" direkt am Ufer des Krüpelsee. Von rechts führt möglicherweise der damals aus dem Storkowschen Land kommende Weg, zu den Häusern. In diesem Siedlungsteil sind an Häusern noch heute Bauteile aus dem Mittelalter vorhanden. Vermutlich hatte das abgebildete Gehöft aber bereits um 1908 eher den Status einer musealen Stätte bzw. einer Attraktion die für den übrigen Ort nicht typisch war.

 

1909

 

Januar; Der Bau eines neuen Schulhauses wird beschlossen. Archtekt ist Herr Gerding.

 

6. November, Richtfest am neuen Schulhaus.

 

Die Senziger "Pflichtfeuerwehr" erhält als Einsatzfahrzeug eine pferdebespannte Handdruckspritze der Firma Hermann Koebe, Luckenwalde.

 

1910   

Das neue Schulhaus wird feierlich eingeweiht - 18. Oktober 1910 (Sammlung Schwabe)  

    

Das älteste Senziger Schulhaus stand an der Chausseestraße, hinter der alten Schmiede (in den 70´/80´er Jahren des 20. Jahrhunderts Jugendclub). Das Gebäude ist abgetragen.

Dem folgte ein Schulhaus welches im Hofraum zwischen den beiden jetzigen Schulhäuser stand. auch dieses ist vollständig abgetragen.

Dann wurde vor 1900 ein weiteres Schulhaus neu errichtet. Es nach 2008 auch kurzzeitig "Bürgerhaus". 1910 wurde der obere Schulraum (die Räume vor der jetzigen Aula) nicht mehr benötigt und wurde zu einem gottesdienstlichem Raum hergerichtet. Zur Ausstattung wurde 1911 eine Sammlung durchgeführt.
1910 wurde das neue Schulhaus, mit Lehrerwohnungen, errichtet, das jetzige Schulgebäude.

In den 80´er Jahren des 20. Jahrhundert wurde dem Gebäude ein Anbau hinzugefügt.

 

Erich Zempke kommt als dritter Lehrer an die Schule.

Schulklasse in Senzig - um 1910 (Sammlung Schwabe),

- bisher ist nur bekannt, Paul Schulze, 3. Reihe, 3. von links, späterer Senziger Bürgermeister

 

1.137 Einwohner, 257 Haushaltungen, 166 Wohnhäuser, es ist auch eine zahlreiche Schifferbevölkerung im Orte wohnhaft.

 

Armenhaus an der Chaussee - um 1910

Gruß aus Senzig - 1910

 

1911

 

Die älteren Straßen in Senzig erhalten Namen und die Wohnhäuser werden mit Nummern versehen.

Das alte Dorf wurde die Lindenstraße. Weitere ältere Straßen waren die Chausseestraße, die Bismarckstraße (heute Bebelstraße), die Gussower Straße, der Grüne Weg und die Werftstraße.

Blick auf Senzig - 1911 (Sammlung Schaller)

 

 

Im November 1911 werden auf Initiative des Lehrers Brusgatis, vor dem alten Schulhaus in der Lindenstraße, mehrere Reihen Linden gesetzt.

 

1912

 

Senzig Dorfaue - 1912 (Sammlung Schwabe), deutlich sind die in mehreren Reihen neu gesetzten Linden zu erkennen

Strandleben am Krimnicksee -1912 (Foto mit zusätzlich eingezeichneten Personen)

 

Unter der Anschrift Chausseetraße 1, hat Georg Paris ein Wanderkino "Deutsch - Amerikanische Wanderlichtspiele" angemeldet. Er spielt in Senzig und den benachbarten Dörfern. Das Kino hat 222 Plätze. Es wird von 1912 - 1932 betrieben.

 

Am bzw. im Krüpelsee werden Szenen des ersten Titanic - Films "In Nacht und Eis" gedreht.

Für die Szenen wurde ein 8 m langes Holzmodell der Titanic benutzt, das mit leeren Benzinfässern versehen war, die dann bei Untergang geflutet wurden.

 

Die Straßenbeleuchtung in Senzig wird elektrisch.

 

Der öffentliche Anlegesteg zwischen dem Curt´schen und dem Brusendorff´schen Haus wird fertig gestellt. Die Genehmigung war der Interessengemeinschaft am 7.7.1911 erteilt.

Am öffentlichen Anlegesteg - 1916

 

1913

 

Erich Ruschke kommt als vierter Lehrer an die Schule.

Am Krimnicksee - um 1913

Fischer in Senzig - um 1913

Fischer in Senzig - um 1913

(Sehr interessant ist der Ort an dem auf dem Foto gefischt wird. Das scheint völlig in Vergessenheit geraten. Dazu müssen aber noch weitere Recherchen geführt werden.)

Strandleben am Krüpelsee - 1913

Angler am Krüpelsee - 1913 (Sammlung Schaller)

 

1914

 

Der Lehrer Brusgatis geht nach Berlin, neu kommt der Lehrer Martin Kampmann.

An der Bootswerft (Albrecht) - 1914

 

1914 – 1918

 

I. Weltkrieg

 

Während des 1. Weltkrieges wurde der Schulbetrieb nur mühsam aufrecht erhalten. Alle Lehrer waren eingezogen, Vertretungen kamen aus Königs Wusterhausen. Nach dem 1. Weltkrieg waren die Lehrer Würpel, Zemke, Meineke und Jarausch tätig.

 

1915 - 1918

 

Friedrich Curt ist als Bürgermeister eingesetzt.

Das Senziger Gemeindeamt, Lindenstraße - 1918

 

1916

Bäuerin mit Heurechen und Heukiepe an der Kalsche - um 1915 / 1916 (Sammlung Schwabe),

(extreme Vergrößerung aus einer Postkarte, Turley)

Blick von der Chausseestr. entlang der Werftstr. zum Grünen Weg, mit Luftschiff aus dem Schütte & Lanz Werk, Zeesen - November 1916
(Reproduktion aus einer Postkarte) (Reproduktion und Retusche Herbert Turley)

Blick vom Bullenberg zur Bismarkstraße (jetzt Bebelstraße), im Hintergrund der Krimnicksee - 1913 (Sammlung Schaller)

Lindenstraße 3 - 1916 (extreme Vergrößerung)

Blick vom Husareneck zu den Curt´schen und Brusendorff´schen Häusern - 1917 (eine aus den Proportionen geratene Darstellung)

 

1917

 

Am 20. Januar 1917 wird am Oberpegel der Schleuse Neue Mühle (entspricht dem Wasserstand des Krimnick- und Krüpelsee) mit 202 cm, der niedrigste bekannte Wasserstand gemessen. (normal 268 cm, höchster (2011) 297 cm).

 

Gründung des Sportverein "SG Hoffnung Senzig" (1921 umbenannt in "Südstern Senzig").

 

1918  

 

Robert Guthmann baut nach 1918 am Krüpelsee, am Ortsrand in Richtung Bindow (die Siedlung am Krüpelsee gab es noch nicht), ein Kalksandsteinwerk. Andere Quellen nennen 1904/05 als Bauzeit und 1906 als Inbetriebnahme. Zur Anlage gehörte eine imposante hölzerne Verladebrücke. Später wurde die heutig noch vorhandene Verladebrück (jetzt die Seebrücke) aus Beton gebaut. Die Produktion dauert bis 1963 an. Weitere Informationen zur Seebrücke

 

9. November, Novemberrevolution, Wilhelm II., Deutscher Kaiser flieht aus Deutschland, Philipp Scheidemann (SPD) und Karl Liebknecht (Spartakisten) rufen unabhängig voneinander die Deutsche Republik aus.