Senzig im 20. Jahrhundert (1918 bis Ende Januar 1933) - Die goldenen Zwanziger


1919   

 

Der Lehrer und Dichter Adolf Meineke (21.04.1893 - 22.06.1938) kommt nach Senzig. Sein dichterisches Tun war wesentlich geprägt von der prächtigen Felder-, Wiesen- und Wasserlandschaft Senzigs.

vor Lindenstraße 3 - 1919

Foto vom 8. Dezember 1919 mit der rückseitigen Aufschrift "Zur Erinnerung an den Rest der ehem. Senziger Dragoner" (Sammlung Schwabe)

(Ort und Bedeutung der Aufnahme ist nicht bekannt, um wen es sich bei den mit einem X gekennzeichneten Soldaten handelt ist ebenfalls nicht bekannt)

 

1920    

 

Der Senziger Verschönerungsverein lässt das Gelände an der Kalsche errichten. Bereits 1902 wurden dort Bäume gepflanzt. Später hat die Gemeinde das Gelände erneuert und erweitert.

 

Die Paetel´sche Postkutsche hat ausgedient.

 

Am 01. November fährt zum ersten Mal ein großer Postomnibus von Königs Wusterhausen nach Senzig.

Der Fahrpreis beträgt 50 Pfg. pro Kilometer. Bis Senzig waren es 4 km. Die Fahrzeit betrug 15 Minuten.

Der Bus fährt ab KW um  08.45 (So 5 min später) und um 19.55 sowie ab Senzig um 09.10 (So 40 min später) und um 20.15.
Später wurde die Busverbindung als Linie 51 über Senzig hinaus bis nach Bindow erweitert.

Bahnhof Königs Wusterhausen - um 1920 (Sammlung Schwabe),

am linken Bildrand ist teilweise ein Kfz. erkennbar, möglicherweise der Bus nach Senzig

Der Postomnibus vor dem Haus Chausseestraße 155 - auf einem Foto aus 1928

(Sammlung Schaller, extreme Vergrößerung Turley)

Richters Sommerfrische, Lindenstraße 3 - 1920

an der Dorfaue, vor dem Haus Lindenstraße 9, 

2. v.l. Friedrich Curt, 3. v.l. Paul Schulze (Greian)

(Sammlung Nowak, Reproduktion und Rekonstruktion Herbert Turley)

Fotoapparat, Certosport - um 1925

Hertha Kopp geb. Grüneberg mit ihrem Bruder vor den elterlich  Haus in der Straße "Grüner Weg" - Ende der 20´er Jahre (Sammlung Schwabe, extreme Vergrößerung Turley)

Am Gasthaus "Zur Fähre" - um 1920

Lindenstraße 5, ehemalige Bebauung - 1920

 

1921

 

Märkisches Karosseriewerk Willy H. Völkner in Senzig, Inhaber Willy Völkner, Senzig, wird 1921 in einer Autozeitschrift erwähnt. Gegenwärtig gibt es keinen Hinweis, wo im damaligen Senzig sich dieses Werk befunden haben könnte. Von 1920 bis 1923 war zum Beispiel der 1906 geborene Senziger Arthur Schulze dort Lehrling.

Zu 1928 findet sodann die B.W.V., Bootswerft Willy Völkner GmbH, Autoschnellboote, Motorkajütboote, in Senzig Erwähnung. Auch dazu gibt es noch keinen Hinweis auf den Standort in Senzig. Hinweise werden gerne dankbar entgegen genommen.

 

1922    
Der Senziger Verschönerungs- und Verkehrsverein setzt in der Werftstraße Bäume.

 

1923    
28.01.1923, Gründung der ersten Freiwilligen Feuerwehr Senzig. Johannes Friedewald, Gemeindevorsteher, wird erster Wehrführer. Der Gründung ging seit 1921 eine Feuerwehrabteilung in den Reihen des Männerturnvereines "Frisch auf", mit 16 Männern, voraus.

Die "Pflichtfeuerwehr" wird aufgelöst.

Das Spritzenhaus befindet sich an der Chausseestr., vor dem alten Friedhof. (1993 abgerissen)

 

Gründung des gemischten Chores "Liedertafel Senzig" durch Paul Schröder. 

(andere Quellen nennen das Jahr 1924)

 

1924

Freibad im Krüpelsee - später Siedlung (Sammlung Schaller)

 

1925    
1.364 Einwohner + 2 (im Kalksandsteinwerk) + 20 (Senzig Siedlung), (andere Quelle 1.293 Einwohner)

 

Verkehrszeichen sahen 1925 ein wenig anders aus als heute.

Die Kennzeichen der Fahrzeuge im Regierungsbezirk Potsdam, dem auch die Gemeinde Senzig zugehörig war, begannen mit einer römischen Eins (I) gefolgt vom Buchstaben E - IE . Berliner Kennzeichen begannen mit IA.


Verkehrszeichen aus 1925

Blick auf Senzig vom Sandberg - 1925 (Sammlung Schwabe),

gut sichtbar sind auch die Schienen welche, die Chausseestraße kreuzend, links an der späteren Klempnerei Wörpel vorbei, zur Verladestelle am Krüpelsee führten

Paulick´s Fähre und Schifffahrt - vermutlich um 1925

 

4. Oktober 1925, an der Dorfaue wird den 49 Gefallenen, Gestorbenen und Vermissten des 1. Weltkrieges aus Senzig ein Denkmal gesetzt.
Der 2 Gefallenen des Krieges 1870/71 wurde an der eingefriedeten Kaisereiche (Friedenseiche) mit einer dort angebrachten Gedenktafel gedacht.

Die Einfriedung und Gedenktafel sind nicht mehr vorhanden.

 

Der Senziger Anglerverein (Senzig Mitte) wird gegründet. Die mit der Entwicklung der Siedlungen am Krüpelsee und am Zeesener See Ende der 20´er / Anfang der 30´er Jahre steigende Einwohnerzahl, führte zur Aufspaltung in die heute noch bestehenden 3 Senziger Anglervereine "Mitte", "Krüpelsee" und "Waldesruh".   

 

1926

Der deutsche Maler, Dichter und Astrologe Thomas Ring (1892-1983) zieht gemeinsam mit seiner Ehefrau der deutschen avangardistischen Künstlerin, Schriftstellerin und Pianistin Gertrud Ring geb. Schröder (1887-1945) und dem Sohn Erp nach Senzig, in ein barackenähnliches Haus. 1927 kommt hier ihr zweiter Sohn Thore zur Welt. Erp Ring schreibt später zum Aufenthalt der Familie in Senzig: „Leider gingen die drei glücklichen, unabhängigen Jahre in Senzig rasch zu Ende. Freizügig hatte man wie bisher die Zimmerwände und Treppengeländer im Flur in kräftigen Farben gestrichen, so dass es deswegen zu harten Auseinandersetzungen mit dem Hausbesitzer kam. Der Streit endete damit, daß beim Auszug als Entschädigung Gertruds Klavier zurückbehalten wurde und sie nun in Berlin - und bis an ihr Lebensende – auf ihr Lieblingsinstrument verzichten musste.“ Diesen Verlust konnte die leidenschaftliche und begabte Musikerin Gertrud Ring schwer verwinden.

 

Die Gemeindeversammlung Königs Wusterhausen gibt wegen Geldmangel das Projekt auf einen Kanal zu bauen - von der Dahme bei Neue Mühle, durch den Zeesener See und den Todnitzsee zu den Pätzer Seen und später über Luckenwalde und Jüterbog bis zur Elbe.

 

Im Sommer 1926 wird die durch den "Königs Wusterhausener Schwimmclub Germania 1921 e.V.", mit Unterstützung durch die Gemeinde Königs Wusterhausen gebaute Flussbadeanstalt am Husareneck feierlich eröffnet.

Eröffnung der Flußbadeanstalt am Husareneck (Sammlung Haase)

Kunstspringen in der Flußbadeanstalt am Husareneck (Sammlung Haase)

Adolf Meineke - Drei alte Linden
Senzig´s segenspendende Dorfaue hat das Glück, drei mächtige Linden ihr eigen zu nennen. Zwei der Bäume waren im Jahre 1869 beim Brande des in unmittelbarer Nähe stehenden Lehnschulzengutes in großer Gefahr. Eine Linde ist vom Blitz gespalten. Es ist zu verwundern, daß sie trotz allem eine so herrliche Krone entwickelt. Der besterhaltene Stamm von den drei Riesen mißt im Umfang 4,50 Meter. Fünf Kinder umfassen ihn.
Unter den Kronen dieser Linden finden alljährlich Vereinsfeste der Einwohnerschaft statt. An Sommertagen sieht man oftmals Wanderer und Wandervogelgruppen lange in stummer Verwunderung vor diesen Riesen stehen, die am 7. September 1926 als Naturschutzdenkmäler erklärt worden sind.


Wenn der Tag zu schweigen beginnt

und die Dämmerung über das Land sich machtvoll breitet,

dann wandelt es sich wohl unter diesen Linden.

Leise verstummt das letzte Flüstern liebestrunkener Vögel,

und wie ein seidenes Tuch

breitet der Mond seinen Glanz über diese Lindenkronen.

Dann flüstert es in diesem Blätterdach

und raunt es und lispelt es von dem, was einstmals war.

Senzig, Dorfaue, die drei Linden - 1936 (Sammlung Wolfgang Krüger)

Am öffentlichen Anlegesteg neben der Curt´schen Villa - um 1926

(im Hintergrund die Sendetürme in Königs Wusterhausen)

Die "neue" Brücke in Königs Wusterhausen - um 1925 (Sammlung Schwabe);

Von Senzig kommend musste man, wenn man auf kurzem Weg in Richtung Berlin wollte, irgendwann über den Nottekanal. Die neue Brücke, in der heutigen Gerichtsstr., um 1925 erbaut, entlastete den Verkehr über die bestehende Brücke an der Schleuse, in der heutigen Schlossstr., in Königs Wusterhausen. Die heute rechts abgehende Brückenstr., in Richtung Wildau, gab es damals noch nicht.

 

Königs Wusterhausen, Berliner Straße, im Hintergrund der Wasserturm und Funktürme - um 1926

Senzig Dorfaue - 1926

 

1927    
Dorf mit der Kolonie Senziger Ziegelei und dem Wohnplatz Bindowbrück und mit Kalksandsteinwerk

 

Die 4. Lehrerstelle fällt weg.

 

1927/28
Die alte Holzzugbrücke über die Dahme bei Bindow, wird durch eine neue Brücke ersetzt

 

1927   
Die Erschließung der Siedlung am Krüpelsee beginnt.

typisches Senziger Sommerhaus der 20er/30er des 20. Jahrhundert (mit späterem Anbau), (Foto aus 1994: Herbert Turley)

originale Niederschrift über die Vergabe der Straßennamen in der Siedlung Krüpelsee (Sammlung Turley)

 

1928

Aus der 1928 erschienen Zeitschrift „Das Wochenendgrundstück“, Sondernummer 4, „Seebad Senzig“, herausgegeben von Schrobsdorff-Immobilien, (gekürzt)

Unsere Zeit ist schnell in der Entwicklung, und gerade die Ausdehnung Berlins über seine vorläufige Peripherie hinaus eilt unaufhaltsam voran. Vor wenigen Jahren noch fast unbekannte Orte sind heute Modebäder geworden und ziehen alljährlich hunderttausende Berliner zur Erholung zu sich hinaus. Rings um Berlin herum sind diese Orte in den letzten Jahren geradezu phantastisch schnell aufgeblüht.

Nunmehr entsteht wiederum in nächster Nähe der Stadt, nämlich am südöstlich Berlins gelegenen Krüpelsee bei Königs Wusterhausen ein neuer vornehmer Landhaus- und Wochenendvorort, genannt „Waldidyll Krüpelsee mit Seebad Senzig“, etwa 5 Autominuten von Königs Wusterhausen entfernt.

Erst dieser Tage, und zwar am 28. Juni 1928, ist der letzte notwendige behördliche Beschluß gefaßt worden. Die von der fortschrittlichen Gemeinde Senzig am Krüpelsee getroffenen Maßnahmen verbürgen nunmehr einen eminenten amerikanischen Vorbildern entsprechenden Aufschwung und ein schnelles Wachsen und Aufblühen dieses neuen Dauerwohn- und Wochenendgebietes.

Nochmals sei betont, daß der Krüpelsee im Südosten Groß-Berlins der am nächsten gelegene und am schnellsten zu erreichende See ist. Seine Lage ist in jeder Weise auch landschaftlich hervorragend. Jeder Punkt des Geländes gewährt Ihnen einen wunderschönen Blick über die weiten Wasserflächen des Krüpelsees; für Wassersportfreunde hat er noch den ganz besonderen Vorzug, daß er nicht ein Binnen-, sondern ein Durchgangssee ist; von ihm aus kann man die schönsten Bootsausflüge nach allen Gewässern der Mark unternehmen. Jeder Wassersportler kennt den Krüpelsee und weiß den zuletzt genannten Vorteil besonders zu schätzen. Der Krüpelsee hat sich daher zu einem Dorado der Wassersportler schon heute entwickelt. Die weiten und abwechslungsreichen Seenflächen sind besonders an den Feiertagen von Segelbooten, Dampfern, Motorbooten, Ruderern und Paddlern belebt, für welche die jetzt zum Verkauf stehenden Gelände, die schönsten Ruhe- und Wochenendorte darstellen.

Die Gemeinde Senzig hat sich an dem über 1.000 Morgen großen See eine Wasserfront von etwa 350 m zum sofortigen Ausbau eines modernen Seebades gesichert, für welches jeder Käufer für sich und seine Familienangehörigen eine Dauerfreikarte für eine einmalige Gebühr erhält. Eine weitere Seefront von insgesamt etwa 1.500 bis 2.000 m hat sich die Gemeinde als Freifläche für Park- und Promenadenanlagen im Interesse aller Käufer reserviert.

Die genannten außergewöhnlichen Vorteile berechtigen uns zu der Frage, wo Sie wohl unter so außergewöhnlich günstigen Voraussetzungen für eine großartige Entwicklung und enorme Wertsteigerung in nächster Nähe Berlins solche Grundstücke für Dauerwohn- und Wochendzwecke angeboten erhalten können.

Sie können mit der Stadt- und Ringbahn mit jedem Zuge über Niederschöneweide-Johannisthal nach Königs Wusterhausen fahren, desgleichen ab Görlitzer Bahnhof. Die Fahrtdauer beträgt ab Stadt- und Ringbahn bzw. ab Görlitzer Bahnhof nur etwa 40 Minuten. Nach Elektrifizierung auch dieser Vorortlinie werden Sie kaum mehr als insgesamt nur 25 Minuten Fahrzeit benötigen. Auf Siedlerkarte beträgt der Fahrpreis nur 25 Pfennige also kaum mehr als eine Straßenbahnfahrt in Berlin. Abfahrtzeiten ab Görlitzer Bahnhof stets 5 bis 7 Minuten nach „Halb“ und nach „Voll“, also halbstündlich einschließlich der sonntags stets eingelegten Züge viertelstündlich. Die Stadt- und Ringbahnzüge haben stets in Niederschöneweide-Johannisthal direkten Anschluß an die Vorortbahn nach Königs Wusterhausen. Ab Königs Wusterhausen gelangen Sie zum Waldidyll Krüpelsee bzw. Seebad Senzig gegen ein geringes Entgelt mit dem Autobus der Post; dieser verkehrte im vergangenen Jahre nur etwa 2 mal täglich, verkehrt jetzt schon sowohl an Sonn- wie auch Wochentagen 7 mal hin und 7 mal zurück und wird im nächsten Jahr wohl zu jedem aus Berlin einlaufenden Zuge Sonn- und Wochentags verkehren und demgemäß auch seine Fahrzeit verkürzen. Ferner können Sie mit Motorboot an Neue Mühle für 20 Pfennige Fahrpreis direkt zur Motorboothaltestelle auf dem Gelände gelangen, wenn es Ihnen auf die Zeit nicht ankommt.

In absehbarer Zeit dürfte übrigens laut „Königs Wusterhausener Anzeiger“ das Uferschnellbahnprojekt spruchreif werden. Es soll, wie schon seit langem vorgesehen, genau wie an anderen Orten vom Bahnhof aus eine Straßenschnellbahn um den Krüpelsee herum gebaut werden, so daß Sie noch bequemer, schneller und billiger Ihr Grundstück erreichen.

Straßenbahn von 1928 - So hätte sie aussehen können die "Uferschnellbahn" auf der Strecke Bahnhof Königs Wusterhausen / Senzig / Kablow / Zernsdorf / Neue Mühle / Bahnhof Königs Wusterhausen und zurück -

(Fotomontage unter Verwendung eines Fotos der Kirnitzschtalbahn - Triebwagen und Anhänger von 1928, Herbert Turley)

Ansicht des Gemeindeamtes in der alten Schule sowie der neuen Schule - 1928 (Sammlung Schwabe),

Das vor dem Gemeindeamt parkende Auto erweckt ganz offensichtlich das Interesse der Kinder auf der Dorfaue

 

Die Siedlung am Zeesener See - Waldesruh wird gegründet.

 

Das FKK - Gelände am Zeesener See wird erschlossen.

Uferweg in Senzig - 20´er Jahre (Sammlung Schwabe)

Waldweg in Senzig-Krüpelsee (Sammlung Schaller)

 

Für den gottesdienstlichen Raum in der alten Schule wird am 12.3., ein Harmonium angeschafft, für 400 Mark von Frau Marie Schulze geborene Krüger aus Königs Wusterhausen, aus den Mitteln einer Sammlung und Spende des Konsistorium.

 

Familienfoto - Senzig 1928 (Ina D., zeitstimmen.de)

21 Jahre später (siehe Familienfoto - 1907) zeigt das Foto die Eltern der Ina Droste, die Großeltern, die Urgroßmutter sowie Tanten und einen Onkel (Das Foto entstand möglicherweise auch schon 1927 zur Silberhochzeit der im Mittelpunt befindlichen Großeltern)

(Fortsetzung - siehe 1952)

1929

Schiffe und Boote auf dem Krimnicksee - 1929 (auch hier wurde kräftig nachgezeicht)

 

Teile des "Gutsbezirkes Königs Wusterhausener Forst" mit 134 ha bei Bindowbrück werden eingemeindet

 

1.350 Einwohner

 

Das Schulhaus erhält einen neuen Anstrich.

 

Beginn der Weltwirtschaftskrise

 

Ein Verzeichnis aus 1929, zu Industrie, Handel, Gewerbe und Wirtschaft in Deutschland, führt zu Senzig auf:

L. Albrecht, Bootsbauer

Brandenburg & Hinz, Dampfsägewerk Senzig

P. Bredow, Torfwerk

A. Buggisch, Fleischer

Frdr. Curt, Landwirt

Paul Dienemann, Arzt

Wilh. Dietzmann, Bootsbauer

K. Drebelhof, Landwirt

Paul Druwe, Dentist

J. Friedewald, Papier- und Schreibmaterialien

Gaerisch, Gasthof

O. Gollmitz, Bäcker

B. Grohmann, Gasthof

Otto Grüneberg, Baugeschäft / Zigarrenhandlung

Fritz Grüss, Fleischer

Ernst Hinze, Schuhmacher

Fritz Henow, Bootsbauer

P. Henow, Landwirt

A. Jaenicke, Metallwarenfabrik

Chr. Jänicke, Seeschlösschen, Restauration

Ludwig Katz, Senziger Sandsteinwerke

Alb. Krüger, Landwirt

Anna Krüger, Landwirt

Lehmann, Kolonialwaren

Max Meissner, Kies- und Sandgewinnung

Franz Nossack, Landwirt

Fr. Paetel, Fuhrwesen / Landwirt

Frz. Paulick, Bootsbauer

Eduard Raspiller, Fuhrwesen

Scharfenberg, Bäcker

Schimke, Gasthof

Marie Schmohl, Kolonialwaren

P. Schmohl, Landwirt

Schulze, Schmiede

Herm. Schulze, Landwirt

Paul Schulze, Landwirt

Ernst Schust, Baugeschäft

Johannes Schust, Landwirt

Dr. Stoffels, Landwirt

J. Streichan, Kolonialwaren

Tröster, Schuhmacher

O. Wandrey, Restauration

Wetzel, Bäcker

Wolff, Schuhmacher

Wilhelm Ziege, Kolonialwaren

Foto junger Frauen (ganz rechtsaus Senzig), zum Abschluss der Ausbildung an der Hauswirtschaftsschule (Ina D., zeitstimmen.de)

Goldene Hochzeit bei (Kahn-) Schulze, Chausseestraße 48 (ehem. 20) - Februar 1929 (Sammlung Schwabe)

das Haus rechts, Nr. 19 (jetzt Fußpflege),

nachfolgend der Versuch die abgebildeten Personen 87 Jahre später namentlich zu benennen und zu zuordnen

(1) Erna Schulze (/ 20, 21), (2) Elisabeth Schulze (verh. Bromundt), (3) ? (/ 4), (4) ?, (5) ? (verh. Jurisch) (/ 4), (6) Hertha Grüneberg (verh. Kopp), (7) Manfred Grüneberg, (8) Krüger (oo 9), (9) Auguste Krüger geb. Schulze (oo 8), (10) Auguste Schulze geb. Wagner (oo 11), (11) Franz Schulze (Kahn-Schulze) (oo 10), (12) Emma Schulze (später Grüneberg), (13) Martha Lehmann (geb. Schulze) (oo 34), (14) Grete Schulze verh. Schulze (oo 36), (15) Lieschen Grüneberg verh. Winter, (16) ? Lehmann, (17) Johanna Lehmann (oo 40), (18) ? Lehmann verh. Lehmann (oo 41), (19) Grete Grunow, (20) Marie Schulze, (21) Paul Schulze, (22) Paul Grüneberg, (23) Paul Grüneberg, (24) Luci Krüger (verh. Kopischke), (25) ? Krüger, (26) Erich Krüger, (27) Fritz Krüger, (28) ? Schulze, (29) ? Ferch, (30) Anna Schulze geb. Schulze (oo 31), (31) Albert Schulze (nach 1945 bis 1961 Senziger Bürgermeister) (oo 30), (32) Otto Grüneberg, (Bauunternehmer) (33) ? Schulze, (34) ? Lehmann (oo 13), (35) ? Schulze, (36)  Willi Schulze (oo 14), (37) ?, (38): Käthe Seist geb. Grüneberg, (39) Erich Grüneberg, (40) Paul Lehmann (oo 17), (41) Otto Lehmann (oo 18), (42) ?, (43) ?

Zeichenerklärung: ? - nicht bekannt; oo - verheiratet mit, / - Kind von

1930

 

Gemarkungsgröße 1.315 ha

Lage der Grundstücke an der Lindenstraße (Dorfaue), (Zeichnung des Lehrers Adolf Meineke - um 1930)

an der Dorfaue, Lindenstraße 10, Frau Gallasch sen. (Sammlung Nowak, Reproduktion und Rekonstruktion des Fotos: Herbert Turley)

Familienbild aufgenommen im Haus des Bauunternehmers Otto Grüneberg, Chausseestr. 155 - um 1930 (Sammlung Schwabe),

v.l. Emma Grüneberg geb. Schulze, Maria Grüneberg geb. Franke, Otto Grüneberg (Bauunternehmer), Paul Grüneberg; das Kind im Vordergrund Hans Wörpel ist Gast

Segler auf dem Krüpelsee - 1930

Curt´sches und Brusendorff´sches  Haus (dahinter die neue Schule) sowie der öffentliche Anlegesteg - um 1930

Bootsverleih an der Paulick´schen Fähre - 1930

Paulick´sche Fähre in Senzig (Mitte), Fährverkehr zwischen Neue Mühle und Krüpelsee - 1930

An der Fähre zwischen der Heiert´schen Siedlung in Senzig-Krüpelsee und Kablow - um 1930

Der Fähranleger befand sich am Ende des Sonnenweges. Die Fähre wurde von Frau Alisch über den See gerudert.

Ab Kablow bestand Bahnverkehr in Richtung Storkow / Beeskow sowie Königs Wusterhausen mit Anschluß nach Berlin. 

 

Der Senziger Lehrer, Dichter und Ortschronist Adolf Meineke schließt seine heimatkundlichen Aufzeichnungen mit einigen Gedichten und bemerkt dazu:

"Die Heimatkunst kann plastisch, malerisch und dichterisch ausgeübt werden. Wieviele Maler, auch Photographen haben wir schon an unserer reizvollen Kalsche, an manchen idyllischen Dorfhäuschen ihrer Lust zur Kunst fröhnen sehen! Wieviele Sänger und musikkundige Schwärmer lassen sich von dem monderglänzenden Krimnick- und Krüpelsee in Entzücken versetzen und geben dann Proben ihrer Kunst.

Auch mich haben manche dörfliche Reize angeregt, mit schlichten Worten ihren Zauber zu besingen. Einige meiner Dorf- und Heimatgedichte hier zum Schluß anzuführen, sei mir gestattet."

Häuschen am Weg

 

 Steht am Weg ein schlichtes Haus,

friedlich, freundlich sieht es aus.

Und drei große, alte Linden,

die vergang´ne Zeiten künden,

halten mit dem Blätterdach

hier am Häuschen treue Wacht.

An den Linden und dem Haus

rauschen Jahre ein und aus,

und sie nehmen beiden nicht

ihren Frieden sanft und schlicht,

sondern Haus und Linde geben

allen Suchenden fürs Leben

Herzensruh´ und Sonntagsfreud´,

auch in jeder schweren Zeit.

( 1925 Teltower Kreiskalender)

 

Sonntagnachmittag auf dem Dorfe

 

Des Dorfes Jugend bei Sang und Klang

unter des Dorfes Linden .....

Vor stillen Häusern eine Bank

zum Ruhefinden.

 

Vom See weht kühle Sommerluft,

und kleine Wellen schäumen ....

der Vogel Bülow ruft und ruft

aus nahen Waldesbäumen.

 

Vor diesem und vor jenem Haus

Rosen und Nelken blühen,

und aus dem frohen Dorf hinaus

jubelnd Jungmenschen ziehen.

(1927 Uckermärkischer Heimatkalender)

Drei Linden

 

O, ihr Gewaltigen!

Jahrhunderten habt ihr getrotzt,

und Sturmwetter habt ihr besiegt!

Und ihr seid

und ihr bleibt!

 

Durch eure Kronen rausch und singt

des Jahres jede Zeit!

Und eure Stämme, zwar geborsten schon,

verraten immer neue Kraft

und immer neues Leben.

 

O, ihr Gewaltigen!

Ihr gebt dem Lauschenden

den wahren Trost,

dem Suchenden

die rechte Kraft.

 

O, ihr Gewaltigen,

ihr seid

und ihr bleibt,

noch länger, als die Jungen

unter eurem Blätterdach

bei Sang und Tanz

des Lebens sich erfreun.

 

Ihr Gewaltigen!

Seid und bleibt

dem Menschen stets

ein warnender Hort

und ein frohes Ziel.

(1925 Teltower Kreiskalender)

Im Boot

 

Mit den Wellen spielt mein Boot,

drin ich lauschend liege,

und mich - frei von aller Not -

mit den Wellen wiege.

 

Über mir, soweit ich schau,

seh´ ich Wölkchen streichen,

die dem tiefen Himmelsblau

freundlich wieder weichen.

 

Atemstill ist rings die Welt,

voll von heil´gem Schauer.

Unter solchem Himmelszelt

gibt es keine Trauer.

(Antologie: Der Fischzug)

 

Im Februar

 

Auf des Hauses kleinem Tritt

sitzen junge Burschen geigend,

junge Mädchen summen mit,

leise ihren Körper neigend.

Über ihnen licht und klar

wacht des Himmels Sternenschar.

 

Und die Luft ist hell und schön

nach den schneeerfüllten Tagen,

fast als wäre von den Höhn

Frühlingswind dahergetragen.

Und ich lache frohgemut,

und voll Leben pulst mein Blut.

(Teltower Kreiskalender)


Kindergottesdienst der ev. Kirchengemeinde Königs Wusterhausen,

mit den Senziger Kindern im Tiergarten, zusammen mit Pfarrer Max Werner - 1930 (Sammlung Schwabe)

 

1931    
1.499 Einwohner,

Eine Übersicht gibt einen Überblick über Senziger Einwohner.

181 Wohnhäuser, Gemarkungsgröße: 1.474 ha

 

Die Senziger Feuerwehr kauft von Spendengelder die erste Motorspritze.

 

Die Amtsverwaltung für Senzig mit den Siedlungen Krüpelsee und Waldesruh, befindet sich im Schloß Königs Wusterhausen, Schloßplatz 1, rechter Seitenflügel, Amtsvorsteher ist Herr Kertzscher.

 

1932   
Gemeinde mit den Wohnplätzen Bindowbrück, Siedlung am Krüpelsee, Siedlung am Zeesener See, Siedlung Mitte und Siedlung Waldesruh.

 

Am 30. Mai 1932 findet der Arbeiter Friedrich Hindersin, in der Guthmannschen Sandgrube in Senzig, einen gut erhaltenen Mammutzahn.

 

Am 28. August 1932 abends, kommt es auf der Straße zwischen Senzig und Königs Wusterhausen in der unübersichtlichen Kurve vor Senzig zu einem Verkehrunfall. Der Berliner Kaufmann Seeger fuhr mit seinem Kraftfahrzeug auf der Straße und stieß mit dem Fuhrwerk des Landwirtes Paetel aus Senzig zusammen. Sämtliche Insassen des Pferdefuhrwerkes wurden auf die Straße geschleudert und zogen sich erhebliche Verletzungen zu. Der Fahrer des Kraftfahrzeuges gab an, durch Nebel in der Sicht stark behindert gewesen zu sein und das Fuhrwerk erst im letzten Augenblick erkannt zu haben. Trotz dieser schlechten Sicht fuhr er aber mit etwas 40 (!!!) Stundenkilometer. Der Richter folgte dem Antrag der Anklage auf 3 Wochen Gefängnis nicht sondern verurteilte den Kraftfahrer zu 300 Mark Geldstrafe. In einer erneuten Verhandlung in Januar 1932 erfolgte ein Freispruch mangels Beweisen.

 

Am 6. November 1932 finden in Deutschland die Wahlen zum Reichstag statt. In Senzig wird in der Alten Schule gewählt. Abstimmungsleiter ist Herr Kochan, Gemeindevorsteher, und Stellvertreter Herr Otto Krüger, Schöffe.

32% (339) der an der Wahl teilnehmenden 1.068 Senziger wählen die Kommunistische Partei, 23% (248) die Sozialdemokratische Partei, 23% (242) die NSDAP und unter 1% (10) das Zentrum. Die weiteren Stimmen gingen an die Deutschnationale Volkspartei (146), die Deutsche Volkspartei (14), die Deutsche Staatspartei (9), den Christlich-Sozialen Volksdienst (4), die Wirtschaftpartei (1) und Sonstige (12).

In Königs Wusterhausen dagegen errangen die NSDAP 31% der Simmen, die Sozialdemokraten 23%, die Kommunisten 19% und das Zentrum 2%. Der Rest ging an die anderen Partein.

Nach der Wahl kommt es zu einer Regierungskrise in Deutschland.

 

Erste Bausparkassen werden 1932 zugelassen.

 

In Königs Wusterhausen und Umgebung war der Rundfunksender "Berlin-Stettin-Magdeburg" zu empfangen. Zu bestimmten Zeit wurde ein spezielles Regionalprogramm für Königs Wusterhausen(*) ausgestrahlt.

Rundfunkempfänger von 1932

Als Beispiel ist hier die Sendefolge von Montag, dem 14. November 1932 dargestellt: 06.15 Funkgymnastik, 06.30 Wetterbericht, 06.35 Frühkonzert, (*)09.30 Seltsame Schicksale deutscher Abenteurer, 10.00 Neueste Nachrichten, (*)10.10 Schulfunk, Schmuggel an Deutschlands Westgrenze, 12.00 Wetterbericht, (*)12.05 Schulfunk, Englisch für Schüler der Oberstufe, 13.00 Wiederholung des Wetterberichts, 13.35 Neueste Nachrichten, 14.00 Konzert, (*)15.00 Kinderstunde, Was Ihr wollt!, (*)15.30 Wetter- und Börsenberichte, (*)15.45 Physikalische Zwirnsfäden, über die man leicht stolpert, (*)16.00 Wie kann die wenig gegliederte Schule den Minderbegabten helfen?, (*)16.30 Konzert, (*)17.30 Volk und Rasse, (*)18.00 Musizieren mit unsichtbaren Partnern, (*)18.30 Die Kriegsschuldfrage, (*)18.55 Wetterbericht, anschl. Kurzbericht des drahtlosen Dienstes, (*)19.00 Was verlangt die Maschine im Winter vom Landwirt?, (*)19.25 Viertelstunde Funktechnik, (*)19.40 Zeitdienst, (*)20.00 Aus Magdeburg: Chorkonzert, 22.00 Zeitansage usw., 22.05 Aus London: Blasorchester-Konzert, 24.00 Wiederholung: Konzert auf elektrischen Instrumenten.

 

Im November 1932 "probiert" der Bäcker We. aus Senzig mit einem Freund, auf dem Kirchsteig in Königs Wusterhausen seine Schreckschußpistole aus. Dafür wurde er nachfolgend vom Richter zu einer Geldstrafe von 15 Mark verurteilt.

 

Am 21. November ist im Teltower Kreisblatt zu lesen, dass Diebe nachts auf dem Grundstück der Witwe Gang (Mang), Chausseestr. 75, neun Hühner aus den aufgebrochenen Ställen entwendeten.

 

Der Arbeiter Paul Rei. aus Senzig hatte einem hiesigen Bauern im Juli Kartoffeln entwendet und mußte sich wegen dieser Übertretung vor dem Richter in Königs Wusterhausen verantworten. Um den Tatbestand zu klären, hatte das Gericht den bestohlenen Besitzer als Zeugen geladen, der einwandfrei den Angeklagten bei dem Diebstahl erkannt hatte. Das Urteil lautete auf 15 Mark Geldstrafe.

 

Es wird bekannt gemacht, dass die Märkischen Baustoffwerke, welche in Senzig Kies abbauen, beantragen zum Zwecke des Fabrikbetriebes auf ihren in Senzig am Krüpelsee gelegenen Grundstücken zwei Anlegestellen mit baulichen Vorrichtungen von größerer Bedeutung zu halten. Unterlagen aus denen dazu Näheres hervorgeht, liegen derzeit nicht vor. Es handelte sich dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Kiesschurren (Kiesverladestellen), welche sich vor dem heutigem Areal an der Seebrücke sowie an der Wasserkante am Ende der ehemaligen Triftstraße (heute Teil der Straße Grüner Weg)  befanden.

 

Wegen einer nichtöffentlichen Sitzung der Senziger Gemeindevertretung rief der Senziger Erwerbslosenausschuss eine Versammlung der Erwerbslosen ein, welche die Öffentlichkeit der Gemeindevertretersitzung sowie in einer Resolution den Rücktritt der gesamten Gemeindevertretung forderte. Der Gemeindevorsteher lehnte die Forderung der Kommision ab, jedoch beschloss die Gemeindevertretung die Sitzung öffentlich abzuhalten. In der öffentlichen Sitzung wurde eine Weihnachtshilfe für die Erwerbslosen durch Abhebung von 6.000 Mark Spargeldern beschlossen, wofür es jedoch der Genehmigung des Kreisausschusses bedurfte. Die Erwerbslosen störten in der Sitzung die Aussprache und ließen sich sogar zu Drohungen hinreißen.

Nachfolgend hatte der Kreisausschuss nur 1.000 Mark zur Abhebung freigegeben. Es wurde zusätzlich beschlossen, den Sozialrentnern auf Antrag kostenlos Mittagessen aus der Volksküche zu bewilligen. Die weiteren Anträge der Erwerbslosen auf Lieferung von Fleisch für die Feiertage und Kohlen, mussten vom Gemeindevorsteher mangels Deckung abgelehnt werden. Die Sitzung wurde wieder stark durch die erwerbslosen Zuhörer gestört.

 

1933    

 

Der Bäckermeister Otto Her. aus Senzig hatte unter Umgehung der Gewerbevorschriften vor 5 Uhr in seiner Bäckerei arbeiten lassenund hatte dafür vom Amtgericht eine Geldstrafe von 20 Mark erhalten.

 

Am 4. Januar brennt in der Siedlung Mitte die Laube eines Berliner Siedlers nieder. Da die Wohnlaube nur 150 Meter von dem großen Bootshaus Berlhan entfernt lag, wurde bei dem Flammenschein Feuer im Bootshaus angenommen und großer Alarm gegeben, der sich dann zum Glück als nicht notwendig erwies.

Friseur-Preise in Senzig - 1933

Die Postbus-Flotte für Königs Wusterhausen und Umgebung, im Zeesner Postbus-Depot - 1933 (Ina D., zeitstimmen.de)

Für eine "Fahrt ins Grüne" geschmückter Zeesener Postbus, mit einem aus Senzig stammenden Fahrer (Ina D., zeitstimmen.de)