Senzig im 20. Jahrhundert (Ende Januar 1933 - Mai 1945) - NS-Zeit


1933

 

Am 28. Januar 1933 tritt die Reichregierung unter dem Reichskanzler Schleicher zurück. Die Demokratie der Weimarer Republik ist am Ende.

Am 30. Januar wird gemeldet, dass der Reichspräsident von Hindenburg, Adolf Hitler zum Reichkanzler ernannt hat. Die für den 31. Januar einberufene Reichstagssitzung wird abgesagt.

 

Für den 24. Februar 1933 ist die Versteigerung umfänglichen Grundbesitzes des Kaufmann Max Meißner aus Berlin-Charlottenburg angesetzt. Auf der Versteigerungsliste stehen über 14 ha Acker, Holzungen Wege, Feldwege und Gebäudefläche im Bereich der Siedlung Krüpelsee, entlang der Chaussee nach Bindow und am Krüpelsee.

 

Nach der Machtergreifung fanden am 12. März 1933 in Preußen noch einmal Kommunalwahlen und Wahlen zu den Preußischen Provinziallandtagen statt. In Senzig stimmten 261 Wähler für die unpolitische Liste "Alt-Senzig", 219 für die Kommunisten, 169 für die Liste "Gemeindewohl", 157 Wähler für die Nationalsozialisten und 156 Wähler für die Sozialdemokraten.

 

Mai 1933, Otto Schnick wird Gemeindeschulze (Bürgermeister).

 

1.683 Einwohner, durch die neu entstandenen Siedlungen, Schulkinder 181.

 

Die neue Schule erhält elektrisches Licht.

Blick vom Bullenberg zum Krimnicksee - 1933

Gaststätte W. Jaenicke, am Krüpelsee

 

Um Kunden zum Besuch seines Restaurants zu animieren, gab Willy Jaenicke seinen Gästen zu Getränken und Speisen als Bonus, wie damals üblich, Rabattmarken aus, sogenannte "Werth-Marken". Diese konnten die Gäste dann wiederum gegen Getränke eintauschen. Welchen Geldwert die "Werth-Marken" hatten, ist heute nicht mehr bekannt. Zur Kennzeichnung der "Werth-Marken", war das Zeichen "W J", für Willy Jaenicke, eingeschlagen.  

Foto: Sammlung Peter Pinnau

 

1934   

 

Der Lehrer Max Würpel verstarb, neu kam vertretungsweise Ernst Schulze.

 

Beginn der Kinderbetreuung in Senzig ("Spielkreis" der ev. Kirche, auch "Kinderstube genannt)

Die "Kinderstube" - um 1934 (Sammlung Schwabe),

links Lisa Lehmann, die Leiterin der "Kinderstube" in ev. Schwesterntracht

Badewiese am Krüpelsee, mit Blick nach Kablow - 1934

am Krüpelsee - 1934

Senzig-Mitte, Luftbilder - 1930´er Jahre (Sammlung Schwabe)

 

1935

Senzig erhält ein eigenes Wappen.

Die Linde mit den 14 Lindenblättern symbolisiert die 14 Kossätenhöfe (Bauer), um den mit Linden bestandenen Dorfanger. Das Schaf steht für die Landwirtschaft und der Fisch für die Fischereirechte.

Herbert Schwuttge kommt als Lehrer an die Senziger Schule.

 

01.12.1935 Königs Wusterhausen wird Stadtrecht verliehen (ca. 6.000 Einwohner)

 

Auf der Buslinie 51, Bahnhofsvorplatz Königs Wusterhausen - Senzig - Bindow, verkehren um 1935 zum Beispiel Sonntags 30 Busse hin- und zurück.
Alleine in Senzig gibt es 8 Bushaltestellen.

Chausseestraße - um 1935 (Sammlung Schwabe)

obere Aufnahme - links Gasthaus Gaerisch, neben der gepflasterten Fahrspur befindet sich rechts, der unbefestigte Sommerfahrweg

untere Aufnahme - rechts das "grüne" Haus des Landarztes Dr. Paul Dienemann

Senzig-Krüpelsee - 1935

Kameradschaftsfest des Grundbesitzervereins Senzig-Krüpelsee e.V. - 1935

Von 1935 bis ca. 1945 versorgte der "An der Chaussee" wohnhafte Arthur Schulze mit seiner Ehefrau Else Schulze geb. Gogolock, die Silberfuchs - Pelztierfarm des Dr. Gumhold. Die Farm war südlich "An der Chaussee", gegenüber der Straße "Am Fließ" gelegen. Neben den Silberfüchsen versorgte die Familie auch Gänse, für die ein Teich vorhanden war. Der Teiche wurde später mit Müll zugeschüttet. Ein daneben liegender kleinerer Teiches ist heute noch erkennbar. Da für die Silberfüchse um 1945 kein Futter mehr zu beschaffen war, wurde die Farm aufgegeben. 

junger Silberfuchs (silber bzw. weiß ist nur die Schwanzspitze)

Silberfüchse in den Gehegen (Rekonstruktion eines Fotos: Turley)

Frau Else Schulze füttert auf der Farm die Gänse,

im Kinderwagen ihre Tochter Gerda (später verh. Furch)

Gänse auf dem Teich in der Farm

1936    

Die Waldstraße in der Siedlung Krüpelsee wird gepflaster.

 

Der Senziger Lehrer, Heimatdichter und Ortschronist Adolf Meineke schreibt 1936:

Der Verkehr im Dorfe

Das Dorf Senzig hat keine Eisenbahnstation. Erzeugnisse der örtlichen Industrie werden größtenteils auf dem Wasserwege befördert. So gestaltet sich auch der Verkehr zwischen den Nachbarortschaften Neue Mühle, Zernsdorf, Kablow. Die Reederei Paulick sorgt für Motorbootverkehr auf den Gewässern.

Der Verkehr zwischen Königswusterhausen, das seit dem Jahre 1866 Eisenbahnverbindung mit Berlin hat, wurde durch die Pätel´sche Postkutsche und Fuhrwerke bewerkstelligt. Jetzt sind mehrere Geschäftsleute, die Fuhrwerke, auch Taxen und Lastautos stellen können.

Am 1.11.1920 fuhr das erste Postauto, dessen Erscheinen einen bedeutenden Fortschritt für das Dorf bedeutete. Für kurze Zeit wurde der Postautoverkehr wieder eingestellt, ist aber seit 1925 infolge Vergrößerung der Senziger Siedlungen eine ständige und viel benutzte Einrichtung.

Der Durchgangsverkehr an Wochenend- und Sonntagen ist sehr stark. Durch die Chausseestraße, die 1927 erneuert wurde, rasen Autos über Autos, Motorräder und Fahrräder dahin.

Ruderboote, Motorboote, Schifferkähne, beladen mit schweren Lasten, Segelboote und Sportboote lassen sich durchschleusen in Neue Mühle.

Jugend- und Wandervereine, auch Schulen durchkreuzen das Dorf mit Gesang und Mandolinenklang. Senzig ist im Sommer der Aufenthalt vieler Großstädter, die hier Erholung suchen. Die Zahl der wohnungsuchenden Sommergäste belief sich in gesunden Jahren auf ungefähr 400.

Die Post im Dorf ist eine Agentur des Hauptpostamtes Königswusterhausen. Sie befand sich von 1906 bis 1.6.1916 am Eingang des Ortes Chausseestraße 74 (jetzt 194).

Seit dem 1.9.1916 ist sie in der Lindenstraße 3 und wird von dem Besitzer des Hauses Richter und seiner Familie betreut.

Seit dem 1.7.1936 hat Frau Witwe Henow, Chausseestraße 54 (jetzt 170), die Verwaltung der Post in ihrem Hause.

In Senzig entstanden die Siedlungen Waldesruh, Siedlung Senzig Mitte und Siedlung Krüpelsee.

1936 wird für Senzig in einem "Wanderführer für Berlin und Umgebung" wie folgt geworben:

"Senzig, 1900 Einwohner, Kreis Teltow, Ausflugsort am Krimnick- und Krüpelsee (Dahme-Durchfluß), Mischwälder, * Drei tausendjährige Linden auf der Dorfaue. - Ausflugsverkehr, Landwirtschaft, Fischerei, Industrie. - Jeglicher Wassersport, Angeln. - Auskunft: Bürgermeisteramt.

Zug ab Stadtbahn bis Königs Wusterhausen, 3. Kl. 0,65 RM. Auto über Rudow - Waltersdorf - Königs Wusterhausen 32 km, auch über Grünau - Eichwalde - Königs Wusterhausen 36 km. Sportboot über Spree und Dahme. Bus Königs Wusterhausen - Senzig - Bindow (tgl.). Dampfer (Sommer ab Berlin. Gasthäuser Jänicke, Gaerisch, Bommer. Ausflüge: Beliebig ausgedehnte Wald- und Wasserwanderungen.

 

In den 30´er / 40´er Jahren gab es in Senzig 5 Tankstellen (Tanksäulen), davon 2 Wassertankstellen.

Von Königs Wusterhausen kommend befand sich alle Tankstellen auf der linken Seite der Chausseestraße.

Die erste (Wandrei) vor dem ehemaligen Restaurant, Chausseestraße 194; 

die zweite (Kuntze) auf dem Grundstück, Chausseestraße 145 (schräg gegenüber Getränke-Hoffmann);

die dritte (Jaenicke) vor dem ehemaligen Restaurant, Chausseestraße 113 / 114.

Die Wassertankstellen waren gelegen beim Schifffahrtsbetrieb Paulick in der Werftstraße und bei der Gaststätte (heute Bootswerft) an der Dahme in Bindowbrück.

Am Krüpelsee - 1936 (Sammlung Schaller)

Weg zwischen Bindowbrück und Gussow - 1936 (jetzt als Straße ausgebaut)

Berliner S-Bahn Strecken - 1936

Olympiade in Berlin - 1936

 

1937

Kurzzeitig ist Fräulein Hörich Lehrerin an der der Schule, auf diese folgte Frau Theodora Hurttig.

angelegter Badestrand am Krüpelsee - 1937

 

1938    
Berliner Autobahnring bei Königs Wusterhausen (heute A 10) wird eingeweiht.

Ausschnitt aus einer Karte zum Ausbau der Reichsautobahnen um ca. 1935/36 (ausgebaute Teile schwarz)

Blick über den Krüpelsee nach Zernsdorf - 1938

Kolonialwarenladen der Frau Marie Birks - Heidestr./Jägersteig  - 1938 (Sammlung Schaller, Bearbeitung Turley)

1938 - Wohnhaus in der Siedlung Krüpelsee Jägersteig/Unter den Kiefern - 1938

(viele Jahre wohnte hier die Familie Klein) (Sammlung Schaller, Bearbeitung Turley)

Lindenstraße 3 - 1938

Bauer Paul Schulze mit seiner Ehefrau Marie und mit ihren Töchtern Erna und Elisabeth

(Sammlung Nowak, Reproduktion und Bearbeitung Herbert Turley)

Gänsemädchen an der Badestelle bei Albrecht - um 1938

Gänsemädchen an der Badestelle bei Albrecht - um 1938, Fotomontage aus dem vorhergehenden und dem nachfolgenden Foto.

Badestelle bei Albrecht, im Hintergrund die Badeanstalt am Husareneck - um 1938

Am Krimnicksee bei Albrecht, im Hintergrund die Badeanstalt am Husareneck - um 1938

Husarenecke - 1938

Angler an der Husarenecke - 1938

Luftbild, Senzig - Krüpelsee Siedlung, mit Strandrestaurant - 1938

Salon-Motorschiffe Friedel und Trumpf - 1938

 

Am 14. September 1938 wird das Feuerwehrhaus an der Gussower Straße, mit darin befindlicher Arrestzelle und Gemeindeschwesterraum, übergeben. Es hat bis heute seine Form unverändert beibehalten.

Den Entwurf und die Ausführung dieses bis heute das Ortsbild in der Senziger Mitte prägenden denkmalwürdigen Bauwerkes, besorgte der Senziger Bauunternehmer Otto Grüneberg, welcher damals schräg gegenüber in der Chausseestraße 155 wohnte.

 

Die Freiwillige Feuerwehr erhält erstmalig ein modernes Löschfahrzeug.

Bau des Kindergartens in der Gussower Str. 4. Andere Quellen nennen (unzutreffend) als Baujahr 1941.

Kinder und "Tanten" der "Kinderstube" - 1938 (Sammlung Schwabe),

die "Kinderstube" befand sich in der Lindenstraße 12

 

1939

Eröffnung des Kindergarten in der Gussower Str. 4 - 1939 (Sammlung Schwabe)

 

1. September 1939 Beginn des 2. Weltkrieges

 

2.000 Einwohner

 

Der Lehrer und Senziger Chronist Adolf Meineke stirbt.

 

Land-/Forstwirtschaftliche Betriebe: 1 mehr als 100 ha, 13 20–100 ha, 2 10–20 ha, 2 5–10 ha, 25 0,5–5 ha

 

Auszug aus: „Die Siedlung Senzig-Krüpelsee, herausgegeben vom Grundbesitzer-Verein Senzig-Krüpelsee e.V. zum zehnjährigen Bestehen des Vereins im Januar 1939“
"Seebad Senzig hat sich in den letzten Jahren schon einen kleinen Namen erworben. Wer hätte wohl je geglaubt, daß hier am Seestrande resp. an dem der Dahme eine so große, neue Siedlung aus dem märkischen Sande wachsen würde? Hier hat sich ein Stück der Stadtflucht geoffenbart, wenn man die vielen schönen, neuen Häuser am See und vom Wald umgeben liegen sieht.“ So schreibt ein fremder Wanderer über unsere Siedlung in der Königs-Wusterhausener Zeitung vom 21.1.39. Ja, was der Fremde hier berichtet, das haben wir Siedler alles miterlebt und miterschaffen! Es stimmt schon: die Großstadtflucht hat uns aus Berlin hinausgetrieben, und die landschaftliche Schönheit der Gegend hat uns gerade an diese Stelle der märkischen Heimat gezogen, die vielen von uns schon vom Wassersport her bekannt war, ganz besonders die bei allen Wassersportlern berühmte herrliche Badestelle. Und die Freude an der schönen Gegend, die Schaffenslust auf eigener Scholle und die gute Kameradschaft haben dann dazu geholfen, unsere Siedlung schnell entstehen und aufblühen zu lassen. Daß hier ein sehr günstiges Siedlungsgelände lag, haben 1927 zwei Männer von ganz verschiedenen Blickpunkten her erkannt. Herr Heiert parzellierte wegen der günstigen Verkehrslage zur Eisenbahnhaltestelle Cablow das freie Gelände an der Fähre; Herrn Bartschat reizte mehr die landschaftlich schöne Lage von Wald und Heide an der langen Wasserfront, selbst wenn dazu der Verkehr mittels teuer bezahlter Extrafahrten durch Post - Kraftwagen erst herangezogen werden mußte! Die landschaftliche Schönheit hat gesiegt: der Post-Autobus hat nach Senzig den stärksten Verkehr, die Fähre ist eingegangen. Herr Bartschat ließ großzügig von dem berühmten Städtebauer Prof. Jansen einen Siedlungsplan gleich für das ganze Gelände aufstellen und sicherte damit die einheitliche, planschöne Gesamtanlage unserer Siedlung. Wie war es damals noch so wunderbar still und unberührt in der Senziger Flur, als wir vor zehn Jahren hier anfingen zu siedeln! Wege und Straßen waren kaum erkennbar, die Grenzen der Grundstücke nur dürftig gekennzeichnet, als wenn man tief in Wald und Heide wäre! Bis dann plötzlich der große Sturm der Kauflustigen einsetzte, so daß in wenigen Wochen fast alle Grundstücke des damals freigegebenen Geländes verkauft waren. Jahr um Jahr wurden neue Stückeder Besiedelung erschlossen, bis nach drei Jahren das ganze Gelände aufgeteilt und zum größten Teil in festen Händen war. Die bäuerliche Gemeinde mit dem kleinen Gemeindeamt war der Fülle von Arbeit und Problemen, die damit auf sie einstürmte, nicht gewachsen, und so legten wir Siedler selbst Hand ans Werk: wir schlossen uns zum Verein zusammen und nahmen der Gemeinde jede nur mögliche Arbeit ab. Der Gemeindevorsteher Kochan war ein Freund der Siedlung, und wir bemühten uns allezeit, Freund der Gemeinde zu sein, indem wir auch in allen Siedlungsangelegenheiten immer die Belange der Gemeinde wahrten. So haben wir in treuer Zusammenarbeit gleich im Jahre 1929 den Aufbau der Siedlung rüstig begonnen und in den folgenden Jahren fortgesetzt, so daß schon im Jahre 1931 die Elektrifizierung der Siedlung erreicht war, bis dann der wirtschaftliche und politische Zusammenbruch auch die Entwicklung unserer Siedlung zum Stillstand brachte. Als dann … auch unsere Gemeinde sich unter der energischen, geschickten Leitung des Bürgermeisters Schnick rasch erhölte, da haben wir auch mit ihm in bester Zusammenarbeit den weiteren Ausbau der Siedlung wieder in Angriff nehmen können. Es wurde vor allem die Pflasterkasse eingerichtet und damit die Pflasterung unserer Straßen ermöglicht. So sind alle Grundlagen für die günstige Weiterent-wicklung unserer Siedlung gegeben. Schon klingt das Lob der Siedlung weiter, als uns manchmal lieb ist: „Seebad Senzig hat sich schon einen kleinen Namen erworben!“ Ausflügler, KdF-Fahrten mit Damfern und Autobussen kommen hierher, Autofahrer besuchen die Siedlung, und an schönen Sonntagen belebt eine Fülle lachender, fröhlicher Menschen unser Strandbad, Das beweist uns, daß wir uns eine wirklich schöne Gegend zu unserem Siedlungssitz ausgewählt haben, daß unsere Arbeit für die Siedlung nicht vergeblich war, und das soll uns ein Ansporn sein, auch weiterhin alle Kräfte und unsere ganze Kameradschaft dafür einzusetzen, daß Senzig-Krüpelsee immer mehr zu der erstrebten schönen Siedlungwird, die dem müden Großstädter Freude, Erholung und frohes Schaffen auf eigener Scholle in Wald und Heide, am spiegelnden See bietet!

 

Bau des Kindergarten in der Gussower Str. 4.

Andere Quellen berichten vom Baubeginn im Jahr 1941. Das ist offensichtlich unzutreffend, da es bereits im Januar 1940 einen umfangreich bebilderten Bericht einer Illustrierten Zeitung über den Kindergarten gab.

 

1940

Im Kindergarten Gussower Str. 4 - Januar 1940 (Sammlung Schwabe)

(hinten von links: Ruth Krüger, Brigitte Grüneberg verh. Schwabe, Ingrid Ehmke, n.b.; vorne von links: Lieselotte Schulze verh. Glander und ihre Zwillingsschwester Annelies Schulze verh. Kloß)

Im Kindergarten Gussower Str. 4 - Januar 1940 (Sammlung Schwabe)

Im Kindergarten Gussower Str. 4 - Januar 1940 (Sammlung Schwabe)

(hinten links: Ernst Schmidt; vorne links: Fritz Purann)

Im Kindergarten Gussower Str. 4 - Januar 1940 (Sammlung Schwabe)

(von links: Annelies Schulze verh. Kloß, Brigitte Grüneberg verh. Schwabe und Lieselotte Schulze verh. Glander Zwillingsschwester von Annelies)

Kinderglück in Kriegstagen (von links: Joachin Gladenick, Gerda Schulze)

Fotoapparat, Voigtländer Bessa - um 1940

Im "Seebad Senzig" (ehemaliger Hauptbadestrand vor der Fontaneallee) (v.l. 1. bis 3. nicht bekannt, 4. Gerda Schulze, 5. Else Schulze, 6. Ruth Wetzel, 7. Gerd Wetzel)

Am "Hundestrand" (heute Liegewiese Nixenweg), im Hintergrund Kirche und Dorf Kablow (v.l. 1. nicht bekannt, 2. Gerda Schulze, 3. Annemarie Schettler)

1941   

 

Im Berliner Telefonbuch von 1941 wurden die folgenden Senziger Anschlüsse angezeigt. (in Klammern, eigene Ergänzungen)

  • Amtsverwaltung des Amtsbezirkes Senzig in Königs Wusterhausen, Schloßplatz, Amtsvorsteher Schmidt;
  • Josef Altnöder, An der Chaussee 109;
  • Friedrich Barthelmes, Seestr. 26;
  • Lina Behrendt, Lebensmittel / Gemischtwaren, Werftstr. 92;
  • Gustav Beinhoff, Großschlächtermeister, Chausseestr. 110 – 111;
  • Berliner Kalksandsteinwerke Robert Guthmann GmbH, Werk Senzig;
  • Louis Betz, Fabrikdirektor, Unter den Kiefern 8;
  • Richard Bock, Gastwirt Restaurant Waldesruh, Körbiskruger Str. 82;
  • E. Bommel, Restaurant, Boots- und Logierhaus Seebad Senzig, Waldstr. 13 – 15;
  • Erich Kiesow, Inhaber Bootshaus Neptun, Ringstr. 11 – 14;
  • Bernhard Bremer, Schlossermeister, Fliederweg 18;
  • Max Buggisch, Schlächtermeister, Lindenstr. 27;
  • Franz Eberhardt Chylewski, Lebensmittel, Körbiskruger Str. 82;
  • O. Cracoanu, Dipl.-Ing., (Siedlung Krüpelsee);
  • Friedrich Curt, Landwirt, Lindenstr. 29;
  • Emil Hinz, Dampfsägewerg Senzig, Chausseestr. 180 – 181;
  • Paul Dienemann, Dr. med., Arzt, Chausseestr. 149;
  • W. Dietzmann, Ing., Gräbendorfer Str. 10 (dazu Autorep.werkstatt u. Mercedes Benz Vertretung Zeesen);
  • Friedrich Drebelhof, Landwirt, Lindenstr. 4;
  • Curt Eilers, Waldstr. 71;
  • Kurt Ernst, Obergerichtsvollzieher, Waldstr. 22;
  • Freiwillige Feuerwehr Senzig, Meldestelle Grohmann;
  • Tilly Frickert, Lindenstr. 14;
  • Johannes Friedewald, Grap. Werkstatt, Papier- u. Schreibwarenhandlung, Chausseestr.;
  • Gemeindeverwaltung Senzig;
  • Gendamerieposten Senzig;
  • Paul Gladenick, Fabrikant, Am Fließ 14;
  • Rudolf Gleich, Kaufmann, Waldstr. 47;
  • Ernst Gödicke, Helfer in Steuersachen, Amselsteg 2;
  • Paul und Wilhelm Golenz, Fuhrbetrieb, Gussower Str. 10;
  • Bruno Grohmann, Gastwirt, Chausseestr. 59;
  • Otto Grüneberg, Baugeschäft, Zigarrengeschäft, Chausseestr. 155;
  • Wilhelm Heise, Baugeschäft, Chausseestr. 25;
  • Hellwig Fritz, Bootshaus, Bootswerft, Grüner Weg 55;
  • Rudolf Henatsch, staal. vereidigter Landvermesser, Chausseestr. 189;
  • Paul Heymann, Kaufmann, Wacholderweg 7;
  • Karl Hömke, Ing., Grüner Weg 72 / 73;
  • Willy Jaenicke, Gaststätte, Bootshaus und Tankstelle Seeschlößchen, Chausseestr. 114;
  • Herbert Jahns, Autofuhrgeschäft, Lindenstr. 1;
  • Kaszynski, Körbiskruger Str. 118;
  • Herta Kerntopf, Milch- und Molkereiprodukte, Werftstr. 5;
  • Erich Kiesow, Bootshaus Neptun, Ringsstr. 14;
  • Balthasar Klement, Helfer in Steuersachen, Talstr. 17 – 21;
  • Willi Krüger, Heidestr. 34;
  • Friedrich Kunz, Tankstelle, Kfz.-Reparaturwerkstatt, Chausseestr. 145;
  • Lehngut Senzig, Besitzer Dr. Stoffels, Lindenstr. 24;
  • Fritz Messerschmidt, Bäckermeister, Chausseestr. 106 / 107;
  • Fritz Möhring, Bäcker und Konditor, Chausseestr. 66;
  • Martha Nagel, Seestr. 1a;
  • Fritz Nößler, Schlächter, Seestr. 3;
  • Carl Noffz, Zentralheizungen, Waldstr. 5;
  • NSDAP Ortsgruppe Senzig, (Anschrift wird hier nicht angezeigt);
  • Ed. Raspiller, Autovermietung / Omnibusvermietung, Chausseestr. 165 / 166;
  • Friedrich Paulick, Reederei und Fährbetrieb, Werftstr. 59;
  • Kurt Persike, Kaufmann, Waldstr. 65 / 67;
  • Johannes Piniek, Gasthaus Schimke;
  • H. Prüfer (Siedlung Krüpelsee);
  • Max Pulver, Zimmereigeschäft, Chausseestr. 58;
  • Hermann Richter, Lindenstr. 3;
  • Waldemar Richter, Wacholderweg 3 / 5;
  • Horst Scheefeldt, B.ck. (?), Chausseestr. 49;
  • Erich Schmohl, Kolonialwaren und Brennstoffhandlung, Chausseestr. 153;
  • Karl Schneider, Postinspektor, Heidestr. 51;
  • Ernst Schramm, Bankprokorist, Grüner Weg;
  • Oskar Schulz, Lebensmittel-Verkaufsstelle, Unter den Kiefern 17;
  • Bernhard Schulze, Bauausführungen, An der Chaussee 97;
  • Gustav Schulze, Schmiede / Eisenwaren / Elektroinst., Chausseestr. 31;
  • Wilhelm Schumacher, Dipl.-Ing., Sonnenweg 12;
  • W. Pache, Inhaber, Strandrestaurant Senzig;
  • Reinhard Strenge, Landwirt, Werftstr. 61;
  • Curt Tarrach, „Alukasch“, Werftstr. 14;
  • Ernst Teichert, Bäckerei / Konditorei / Café, Chausseestr. 151;
  • Dr. A. Thorndike, (Lindenstr.);
  • A. Tzschirntsch, Ahornallee 25
  • Erich Ulrich, Kaufmann, Seestr. 7;
  • Erwin Unfrau, Drogerie / Farbengroßhdlg. / Tepeten / Linolium / Photowerkstatt;
  • Hermann Wagner, Schlächterei, Chausseestr. 159;
  • Willi Wegmann, Gaststätte „Dorfkrug“, Chausseestr. 39;
  • Gerhard Weiß, Milch- und Molkereierzeugnisse, Waldstr. 2;
  • Bruno Wetzel, Kaufmann, Chausseestr. 67;
  • Wilhelm Wörpel, Klempnermeister, Chausseestr. 133;
  • Heinrich Zeiss (Unionzeiss) KG, Waldstr. 13 – 15;

1942

Während des Krieges waren und wurden Lebens- und Haushaltsmittel knapp. Zur Regulierung der Versorgung wurden Haushaltsausweise ausgegeben. Damit konnten in Geschäften in welchen der jeweilige Haushalt registriert war, Leben- und Haushaltsmittel bezogen werden.

1943

Bullenberg und Weißer Grund in den 1940´er Jahren

Blick vom Bullenberg, hinter dem alten Friedhof, zur Chausseestraße - 1943

(rechts ein Schießstand, im Hintergrund der Krimnicksee und die Badeanstalt am Husareneck - links -)

 

1939 – 1945 
II. Weltkrieg

 

Während des Krieges schloss die Gaststätte "Bommel" (spätere Schneiderei) in der Waldstraße. Nachfolgend wurde in dem Gebäude ein beaufsichtigtes Arbeitslager für Fremdarbeiter eingerichtet. Die Aufseherin Frau L. quälte nach einem Zeitzeugenbericht die dort untergebrachten Fremdarbeiter. Die Fremdarbeiter wurden morgens mit einem Bus abgeholt und zur Arbeit in die Munitionsfabrik nach Töpchin gebracht. 1945 verließen die Fremdarbeiter die Unterkunft. Einzelne blieben in Senzig. Kurzzeitig nutzten die sowjetischen Streitkräfte nachfolgend die Gebäude. Anschließend zog dort die Schneiderei Hinze & Rogge ein.

Arbeitsbuch eines Fremdarbeiters

Auch auf den Senziger Bauernhöfen waren Fremdarbeiter eingesetzt. Einer von ihnen war "Hans", der 1948 "seinem Bauern" einen Gruß und ein Foto aus seiner französischen Heimat schickte.

 

Während des Krieges mussten bei Bombenalarm, wenn Unterricht war, die Schulkinder welche im Dorf wohnten sich schnell am Rand der Straßen und Wege nach Hause flüchten. Die in den Siedlungen wohnhaften Kinder wurden, wenn Voralarm ausgelöst wurde auch nach Hause geschickt, aber bei Bombenalarm suchten sie umgehend den Keller der Schule auf. 

1945    
24. / 25. April; In der Nacht sprengen SS-Verbände der 23. Panzergrenadierdivision "Nederland" die Bindower Brücke. Nachfolgend kommen sowjetische Panzer. Diese bauen sich in ca. einer Stunde eine Behelfsbrücke über die Dahme (Bindower Fließ), setzten über und bauen die Brücke sofort wieder ab.

 

Die damals "An der Chaussee" wohnhaft 10 jährige Gerda Schulze (später Gerda Furch), berichtete in 2016 als Augenzeugin zur Sprengung der Bindower Brücke folgendes: Mit der Sprengung der Brücke war lediglich ein 3-Mann Trupp der Wehrmacht beauftragt. Der Truppführer gab einem Soldaten den Befehl die Sprengung auszuführen. Dieser verweigerte den Befehl, weil er ihn für unsinnig hielt. Daraufhin erschoss der Truppführer ihn. Auch der zweite Soldat verweigerte den Befehl und wurde ebenfalls vom Truppführer erschossen. Letztlich führte der Truppführer die Sprengung selbst durch und kam dabei ums Leben. Die drei Toten lagen nachfolgend an der Chaussee, dort wo der Weg (heute Straße) nach Gussow führte. Die Mitte der gesprengten Brücke hing in der Dahme. Ein auf der Brücke befindliches Fahrzeug wurde mit in den Fluss gerissen.  


26. April, Wehrmacht und SS in Senzig geraten, von Zernsdorf und Neue Mühle her, unter stärksten Beschuss der sowjetischen Truppen und müssen Senzig räumen.

Am Waldrand gegenüber Akazienallee / Am Fließ verschanzt sich ein Trupp der Wehrmacht. Ihr Auftrag lautete, sie sollten über das offene Feld alle "Russen" bekämpfen, wenn diese aus dem Dorf kämen. Um das zu realisieren sollten und wollten sie die ganze Siedlung Krüpelsee wegschießen. Ein junger Soldat erreichte mit einem Panzer, in dem auch ein ranghöherer toter Soldat lag, den Trupp und konnte verhindern, dass die Siedlung "geschliffen" wurde. Der Panzer bewegte sich dann weiter auf der Chaussee in Richtung Bindower Brücke. Kurz hinter Senzig sprengte der Fahrer den Panzer.  Eine Augenzeugin berichtet, dass nachfolgend vieles aus dem Panzer in den Bäumen hing.  

 

Einer der vielen Toten in den letzten Kriegstagen in Senzig war zum Beispiel, der aus der Kreisstadt Rosenberg in Westpreußen geflüchte August Faerber. Am 26. April 1945 wurde er von sowjetischen Soldaten erschossen. Der Anlass ist unbekannt.

 

Die Senzigerin Hanneliese Henow (13.05.1925 - 08.03.2014), hat über Ereignisse in Senzig und Umgebung sowie über Schicksale von Senzigern, in der Zeit vom 20. April 1945 bis zum 11. Dezember 1945 in Senzig ein Tagebuch geführt.

Andere Zeitzeugen, damals noch Kinder, berichten über verschiedene schreckliche Ereignisse welche Sie selbst erlebten oder von denen sie in dieser Zeit hörten und die sie bis heute nicht vergessen konnten.

 

Heinz Droßel, ehemaliger Senziger Wochenendbewohner, Jahrgang 1916, rettet vier Juden das Leben, die sich bis dahin erfolgreich in Senzig versteckt hatten. Seine Tat wird in der nationalen Gegenkstätte des Staates Israel, Yad Vashem, geehrt. Bericht

 

ab Mai, sowjetische Besatzung (SBZ)