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Tourismus - historisch


Königs Wusterhausen, Bahnhof - 1916


Textauszug aus dem Heft „Ausflüge von Berlin“ Heft 58
Königs Wusterhausen – Neue Mühle (um 1925)

 

Nach Kgs.-Wusterhausen – Neue Mühle 

Man erreicht Königs-Wusterhausen vom Görlitzer Bahnhof in 46 Minuten für 55 Pfg., kann aber auch von der Stadtbahn und dem Potsdamer Ringbahnhof (65 Pfg.) nach dort gelangen, wenn man in Niederschöneweide umsteigt. Auch mit dem Fernzuge kann man vom Görlitzer Bhf. In 38 Minuten für 90 Pfg. dorthin fahren. Königs-Wusterhausen ist Endpunkt der Staatsbahn über Storkow-Beeskow-Grunow nach Frankfurt a. O. und der Kleinbahn über Mittenwalde nach Töpchin.

 
Bhf. Königs-Wusterhausen – Jagdschloß – Wasserturm – Neue Mühle

 Vom Bahnhof aus, auf dessen Vorplatz ein Omnibus nach Senzig, sowie Fuhrwerke zu Ausflügen nach allen Richtungen bereit stehen, wendet man sich durch die Bahnhofstr. (in dieser die Gartenlokale Hotel Pfuhl, Hotel zum Jagdschloß und das Schloßrestaurant) und über die Schleusenbrücke r. nach dem Schlossplatz (Hotel F. Ramin und Zur Sonne, F. Albrecht).


Königs Wusterhausen, Bahnhofsvorplatz - 1929

Königs-Wusterhausen, eine kleine freundliche Gartenstadt von ungefähr 4500 Einwohnern, liegt an der Eisenbahnstrecke Berlin-Görlitz, 27 km südlich von Berlin am Ende der Vorortbahn vom Görlitzer Bahnhof, und mit seinem anmutigen Ortsteil Neue Mühle am nördlichen Ende der landschaftlich hervorragend schönen Seenkette der Dahme.
Umgeben von prächtigen Seen, Laub- und Nadelwaldungen, zeigt es in seiner Anlage noch heute die unverkennbaren Spuren wendischer Ansiedlungen und tatsächlich lässt sich der Ortsname bis auf die Wendenzeit in der Mark zurückführen. Die Burg Wustrow, ein von Wasser umflossener Platz, verwehrte am Rande der damals sumpfigen Notteniederung den deutschen Eroberern den Uebergang in den Teltow, und harte Kämpfe mögen um ihren Besitz getobt haben, worauf die deutsche Endung des heutigen Ortsnamens hinweist. Aber noch lange nach den Erfolgen der Deutschen müssen die Wenden hier einheimisch gewesen sein, denn zum Unterschied von dem nahe gelegenen Deutsch-Wusterhausen führte der Platz den Namen Wendisch-Wusterhausen.
Nachdem die Burg oftmals ihren Besitzer gewechselt hatte und nacheinander den Schlieben, Putlitz u.a. gehörte, ging die Herrschaft Wendisch-Wusterhausen, zu der auch die Dörfer Hoherlehme, Deutsch-Wusterhausen, Schenkendorf, Zeesen und Senzig gehörten, 1475 in die Hände der in Teupitz residierenden Schenken von Landsberg über. Von ihnen erwarb es im Jahre 1683 der Große Kurfürst für seinen Sohn, den späteren König Friedrich I. Dieser schenkte die Herrschaft seinem Sohne Friedrich Wilhelm I. Mit Friedrich Wilhelm I. beginnt die Geschichte des heutigen Ortes. Er machte ihn zum Lieblingsaufenthalt und verlebte alljährlich einige Monate mit seinem Hofstaate in dem Schlosse, das er zu einem Jagdschlosse ausbaute. Als Gutsherr legte er die erste Chaussee nach Berlin an, bepflanzte die Ortsstraßen mit Linden, die noch heute das Wahrzeichen und den Schmuck des freundlichen Ortes bilden, baute die Kirche und kümmerte sich auch sonst um die Entwicklung des Ortes, der bis dahin nur wenige Häuser zählte und seit dieser Zeit den Namen Königs-Wusterhausen führt. Nach seinem Tode erlosch das Interesse der Hohenzollern für ihr freundliches Besitztum. Erst unter der Regierungszeit des Königs Wilhelm I. wurde das Schloß, in dem zur Zeit der Freiheitskriege die Rheinbundtruppen übel gewirtschaftet hatten, wieder zum Jagdschloß eingerichtet und dient seitdem wieder den preußischen Königen als solches.
In den letzten zehn Jahren hat der Ort, der seit 1832 das Marktrecht besitzt, einen erfolgreichen Aufschwung genommen und ist eifrig bestrebt sich allen Forderungen der Neuzeit anzupassen. Kanalisation, Gas- und Wasserleitung, Elektrizität, Realprogymnasium, höhere Töchterschule, Kreiskrankenhaus, Apotheke, großzügige Bebauungspläne sind vorhanden, und so vermag sich Königs-Wusterhausen zu einem freundlichen Gartenstädtchen in der Nähe von Berlin entwickeln.

Eine Besichtigung (25 Pfg.) des am Schlossplatz gelegenen efeubewachsenen Jagdschlosses wird sehr empfohlen. Besuchsdauer ½ Std., Besuchszeit Wochentags von 9-12 Uhr vorm. und von 2-5 Uhr nachm.; an Sonn- u. Festtagen von 9-10 Uhr vorm., sowie von ½ 12-1 Uhrund von 2-5 Uhr nachm. Inmitten des Vorhofes die bronzene Figur eines Hirsches. Im Inneren sind bemerkenswert: die reich geschmückte Jagdhalle, das Wohnzimmer Kaiser Wilhelm I. (großer Gewehrschrank, geschnitzte Möbel, Bilder aus der Zeit Friedrich Wilhelms I.); im Speisezimmer viele von diesem gemalte Bilder, im 2. Stock die Nachbildung eines Riesenhirschgeweihs und das Rauchzimmer, in dem einst die „Tabakskollegien“ (eichene Tische, Steinkrüge, Tonpfeifen) stattfanden.

Durch die Berliner Str. gelangt man zu dem Wasser- und Aussichtsturm auf dem Mühlenberge (Sonntags von 8 Uhr morgens bis zur Dunkelheit geöffnet, an anderen Tagen nach vorheriger Ansage im Rathaus, Kirchplatz 3), von dem sich ein wundervoller Fernblick in das Notte- und Dahmetal, sowie über den freundlichen Ort mit seiner reizvollen Umgebung bietet. Man kann nun auf demselben Wege oder auf einem kürzeren am Jagdschlosse entlang über die neue Nottebrücke zum dem Weg nach Neue Mühle gelangen, oder man geht durch die romantischen Tonberge (immer rechts haltend) am Krankenhause und Realprogymnasium vorbei nach der Bahnunterführung, von welcher man in kurzer Zeit den schattigen Kirchsteig nach Neue Mühle erreicht, der in etwa 15 Minuten nach dort führt.

Neue Mühle - 1926


Neue Mühle ist seit langen Jahren durch seine herrliche Lage an Wald und Wasser ein beliebter Ausflugsort. Von der Jannowitzbrücke und vom Schlesischen Tor, sowie von der Waisenbrücke in Berlin kann man jeden Tag für 50 Pfg. mit den Dampfern der Sterngesellschaft, von Nobiling und von Kahnt & Hertzer hin- und zurück gelangen. Fahrpreis für Vormittagsfahrten 70 Pfg., für Nachmittagsfahrten 50 Pfg. hin und zurück. Mehrere größere Gartenrestaurants: „Hotel und Restaurant im Tiergarten“ (H. Paetel), „Neue Mühle“ (Rob. Riedel) mit Dampferanlegestelle, „Zur Schleuse“ (W. Thormann) mit Dampferanlegestelle und das Waldschlößchen (C. Leiste) befinden sich hier. 

Ein herrlicher Rundgang bietet sich hier unter den alten Eichen des Tiergartens, an den Ufern der von Dampfern, Ruder- und Segelbooten belebten Staabe und des Krimnicksees. Von der Husarenecke, einer langgestreckten Landzunge, aus bietet sich dem Beschauer ein reizvoller Blick über die klare Wasserfläche auf die freundlichen Ufer der gegenüberliegenden Dörfer Senzig und Zernsdorf.

Ein reges Leben entwickelt sich namentlich an Sonnabenden, Sonn- und Festtagen an der Schleuse. Zahlreiche Motor-, Ruder-und Segelboote, sowie Dampfer verkehren hier auf dem Wege nach Teupitz und Storkow, und weiter in das obere Seengebiet der Dahme und nach dem Scharmützelsee. Bis vor wenigen Jahren stand hier die alte Mühle noch, deren Turbinengang jetzt einem Aalfang dient.

Zahlreiche Ruderboote stehen mietweise zur Verfügung bei C. Wenzel. Mittwochs fahren Tourendampfer von der Schleuse aus nach dem Scharmützelsee.

Gruß aus Neue Mühle - 1899

Spaziergänge:

 

a) Bahnhof, Bahnhofstraße, von der Schleuse l. in die Luckenwalder Straße, am Blindenheim (Besichtigung gestattet) vorbei, l. in den Wald über die Kleinbahn bis zu einem mit Birken bestandenen Wege, diesen l. abbiegend verfolgen an der Bahn entlang bis zur Chaussee, über die Bahn an der Försterei Fasanerie vorüber und Krebssee entlang, auf dem Fahrwege in den Tiergarten bis zur Chaussee, auf dieser über die Spukbrücke zum Chausseehause, und diesem gegenüber l. auf gradem Waldwege bis zum Ufer des Krimniksees, dann r. zur Husarenecke und am Staabeufer zurück nach Neue Mühle.

 

b) Bahnhof, Bahnhofstraße, von der Schleuse l. in die Luckenwalderstraße, am Blindenheim vorbei zur Försterei (Fasanerie und Forsthaus, zum nahe gelegenen Rittergute des Herrn Rudolf Mosse in Schenkendorf gehörig); l. hinter derselben, die Chaussee verlassend nach Krummensee, von hier aus durch die reizvollen Sutschke, einem ausgetrockneten Seebett, nach Groß-Besten und zurück mit der Bahn nach Königs-Wusterhausen.


 

c) Von Neue Mühle durch den Tiergarten nach dem von Sommerfrischlern viel besuchten Dorfe Senzig (Freibad im Krüpelsee), mit dem Restaurant Wilhelm Rasemann in der Berliner Str., hinter der Ziegelei r. von der Chaussee abbiegend nach Körbiskrug, von hier nach Groß-Besten oder zurück auf der Chaussee nach Königs-Wusterhausen.

d) Von Neue Mühle über die Schleuse, r. die Chaussee nach dem freundlichen Zernsdorf mit dem Gasthof zum Krüpelsee von P. Schulze, die Chaussee l. am letzten Hause verlassend über die Kleinbahn auf die alte Fürstenwalder Landstraße; bis zu den Schmulangsbergen (herrlicher Ausblick), am Fuße derselben r. bis zur Ziegelei und von dort r. bis zur Eisenbahnbrücke, an der Bahn entlang nach Cablow oder geradeaus nach Zernsdorf. Von hier aus mit der Bahn nach Königs-Wusterhausen oder per Kahn nach Senzig über den Krüpelsee. Von Senzig aus führt eine Chaussee über Neue Mühle nach Königs-Wusterhausen.

Wer in Königs-Wusterhausen oder Neue Mühle mehrere Tage Wohnsitz nehmen will, wozu sich ausgiebig Gelegenheit bietet, kann bequeme Ausflüge nach der Dubrow (Eichenwald mit herrlichen Uferpartien, kaiserliches Jagdrevier, Reiherhorste) oder nach der Försterei Wüstemark (Hochwildrevier) zu Fuß oder zu Wagen (bis 15 M.) sowie mit der Bahn nach dem Scharmützelsee unternehmen.

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