Senzig vor 1462


Sentzk, das heutige Senzig, wurde 1462 erstmalig urkundlich erwähnt. In den nachfolgenden Jahrhunderten hat der Ort eine wechselvolle Geschichte durchlebt. Heute ist Senzig einer der beliebtesten Wohnorte im südöstlichen Berliner Umland.

Die Geschichte Senzigs hat weit vor 1462, dem Datum der ersten urkundlichen Erwähnung, begonnen. Immerhin war Senzig oder Sentzk, wie es damals genannt wurde, bereits ein erwähnenswerter Ort. Wo die Ursprünge liegen, hat sich im Dunkel der Geschichte verloren. Vielleicht wird es eines Tages hierzu neue Erkenntnisse geben. Jetzt gefundene Hinweise deuten darauf hin, dass Senzig schon um 1300 existierte.

Wie weit sich das ehemalige "Schenkenländchen" ausdehnte, über das die Schenken von Landsberg auf dem Wasserschloß Teupitz herschten, sehen wir an "Sentzk" und können annehmen, dass diese Herren es nach 1350 erworben bzw. annektiert haben. Wenn auch die Schenken im Jahre 1462 mit dem Markgrafen von Brandenburg in ein festes Vasallenverhältnis traten, so hatten erstere noch immer über Land und Leute das Bestimmungsrecht, Schreibt 1932 das Teltower Kreisblatt.

Ereignisse in der Region vor 1462:

 

1. Jhd. v.u.Z.    
Unser Gebiet ist von den germanischen Stämmen der Semnonen bewohnt. Römische Legionen dringen bis in das Gebiet der Mark Brandenburg vor.

Spaltkeil - frühzeitliches Fundstück aus der Gemarkung Senzig

ab dem 3. Jhd.

Die Semnonen geben ihr Gebiet auf. Nach dem Durchzug anderer Völkerschaften siedeln in unserem Gebiet die slawischen Stammesgruppen der Liutitzen und die Lusici.

 

928

Die Eroberung des slawischen Gebietes beginnt.

Unter Otto I. von Sachsen wird die Eindeutschung der eroberten slawischen Siedlungsgebiete mittels der Christianisierung vollzogen. Die alteingesessenen Slawen und die neusiedelnden Deutschen leben einigermaßen friedlich zusammen. Die slawischen Fürsten unterwerfen sich den deutschen weltlichen und geistlichen Fürsten

 

Bis in die Spätzeit des Mittelalters

sprechen die Slawen ihre Sprache. In unserer Gegend war der Fluß Notte Sprachgrenze. Südlich sprach man Wendisch, nördlich Deutsch. Vermutlich wurde in Senzig Wendisch gesprochen. Nachweise dafür sind jedoch nicht bekannt.

 

1142

Albrecht der Bär verleibt sich seiner brandenburgischen Mark u.a. den Teltow ein und erhebt sich zum Markgrafen von Brandenburg. Die Notte ist Grenzfluß.

 

Ende der 50´er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden bei Arbeiten im damaligen Schulgarten auf dem "Schillche" genannten Flurstück hinter den Grundstücken Chausseestraße 175 - 179 ein Bronzegegenstand  gefunden. Der damalige Kreisdenkmalspfleger definierte das Stück als "Schwerthaken", dass dazu diente die Schwertscheide am Gurt festzuhalten. Der Kreisdenkmalpfleger besichtigte daraufhin die Fundstelle und sammelte in kurzer Zeit zwei Hände voll Tonscherben, die aus dem frühen Mittelalter und noch älterer Zeit stammen sollten. Der Kreisdenkmalpfleger vertrat die Ansicht, dass sich dort in der Nähe die erste ursprüngliche Ansiedlung auf Senziger Boden befunden haben musste. Brunnen waren zu dieser Zeit nicht üblich, die Menschen konnten ihr Trinkwasser aus den natürlichen Gewääsern schöpfen. Eindeutig war die germanische Herkunft des Fundes. Der damalige Bronzefund ist abhanden gekommen.

Warum bei der Betrachtung des Fundes nicht berücksichtigt wurde, dass dieser an dem alten Verbindungsweg zwischen dem Dorf Senzig und Wendisch Wusterhausen gemacht wurde, erklärt sich mir nicht. Eine Besiedlung der "Schillche" in der Vorzeit scheint eher unwahrscheinlich, weil sie fast bis zu dem Verbindungsweg unter Wasser gestanden haben dürfte.

 

1307/1315     
indirekte Erwähnung Senzig´s,

Der Berliner Stadt-Archivar Fidicin berichtet 1857 folgendes (gekürzt und bearbeitet):            
Zwischen den Schenken zu Landsberg und der Bürgerschaft zu Mittenwalde waren im Jahre 1497 Streitigkeiten über Holzungsrecht entstanden. Der Kurfürst hatte daraufhin eine Kommision ernannt, welche auf dem Grund der Concessionen vom Jahre 1307 und 1315 folgende Entscheidung traf: Die Stadt Mittenwalde soll in Gebrauche des Distrikts verbleiben, welcher in der Nassenheide anfängt und weiter führt ... bis zum Dorfe Gusow (Gussow) und von dort den Damm (Anm. -  die Dahme) entlang bis an den Krupel (Anm. - der Krimniksee) und von dort zur Sentzker Brücke (Anm. - vermutlich die Brücke an der "Alten Mühle"), sodann zum Zeesenschen See und ferner an die Korbische Mühle (jetzt Körbiskrug). - Alles was in diesen Grenzen begriffen war, namentlich die Sentsche (Sentzigsche) Heide, ... mit aller darin belegenen Holzung "binnen Wassers und Mühlen" sollten die von Mittenwalde ... ferner frei gebrauchen. Doch sollten auch die umliegenden Dörfer, wie vor Alters, das Holzungsrecht mit ihnen ausüben."   
In den Texten von 1307, nachfolgend abgebildet, und 1315 konnte ich keine direkte namentliche Nennung Senzig´s feststellen.

Abschrift des Textes von 1307

Wir wollen, dass unsere gesetze und Schriften ewiglich sollen gehalten werden. darum ist zu wissen, dass wir, Hermann, Markgraf zu Brandenburg und Markgraf zur Lausitz und Herr zu Henneberg, bekennen und bezeugen offenbar vor allen denjenigen, die diesen Brief sehen, hören oder lesen, dass durch treuer Dienste willen, die uns geschehen sind und noch geschehen werden von unsern lieben, getreuen Rathmannen und von allen unsern gemeinen Bürgern, die nun sind und noch in Zeiten kommen werden, unserer Stadt geben und haben gegeben mit diesem gegenwärtigen Briefe alle Gehölze und alle abgelegenen Gehölze der Heiden, Brüche und Strecken,  die da gelegen sind von Deneckens Damm fort bis zu den Bestwinschen Bergen und von dort weiter bis zu der Brücke und zu dem Fliesse, dass gemeinhin Pupaw heisst, frei und friedlich ohne allerlei Drohungen und Hindernisse haben sollen, gross und klein, zum bauen und zum brennen, ohne allerlei Hindernis der Herrn von Plotzig und aller ihrer Nachkommen, die zu Teupitz in ewigen Zeiten kommen mögen, gegeben haben mit unserer fürstlichen Gabe und der Macht, ewiglich zu bleiben. Wenn alle vorgenannten Stellen abgeholzt sind, geben wir von unserer milden fürstl. Gabe, dass sie weiter gehen und abholzen und abfahren bis auf die Seite von Teupitz, wie sie das Recht diesseits von Teupitz gehabt haben, ohne alle Drohungen, übler Wider- und Nachrede. Auf dass unsere Gabe wie vorgeschrieben unsern lieben Bürgern unserer Stadt Mittenwalde ganz und fest und unverrückt bleiben soll, darum haben wir lassen unser grosses Insiegel an diesen gegenwärtigen Brief hängen.    Dessen sind Zeugen die festen und lobenswerten Berndt von Plotzick, und Herr Friedrich von Alvensleben, Herr Drosseken, Herr Buhse von Gruvelhut und viele ehrliche andere Leute, die dabei gewesen sind. Dieser Brief ist gegeben in unserer Stadt Spandau nach Gottes Geburt tausent Jahr, dreihundert Jahr in dem siebenten Jahre, am St. Martinstage des heiligen Bischofs und Beichtvaters.

1320              
19.11.1320, erste urkundliche Erwähnung (Königs) Wusterhausens

um 1400         
Die Schenken von Landsberg auf Schloß Teupitz, haben in Sentzk einen Schultheiß namens Syben eingesetzt, der von Kaiser Karl IV. (1373-1415) zum Ritter geschlagen war. Der Schultheiß bewohnte das ehemalige Lehngut-Grundstück (Lindenstraße 24). Aufgabe des Schultheiß war es zu überwachen, dass die rechtlosen Bewohner die Abgaben leisteten:
1. den Grundzins an den Gutsherrn,
2. den Zehnt an die Kirche,
3. die Vogteilast, später "Vogtbede" genannt, an den Gerichtsherren und
4. die Steuer oder Bede an den Landesherrn.
Insgesamt betrugen die Abgaben 2/3 des Einkommens. Außerdem waren die Landwirte noch zur Leistung von Diensten verpflichtet.
In der Schrift von 1490 aus der dieses hervorgeht, behandelt den Bauern Berthold aus Kablow, der sich vom Schultheiß 20 Silbermark als Darlehen hatte geben lassen und der, weil er sie nicht zum vereinbarten Termin wieder zurückzahlen konnte, in den Hungerturm von Sentzk eingesperrt werden sollt. (nach Adolf Meinicke)

 

Wo sich einst der Senziger Hungerturm befand, ist nicht überliefert. Überreste des Fundamentes des Hungerturm stecken noch heute im Senziger Boden. Die Feldsteine mit denen einst der Hungerturm errichtet war, erfüllten noch Jahrhunderte einen anderen nützlichen Zweck und sind jetzt aber für alle Ewigkeit verschwunden. 

mittelalterliches Bruchstück eines bemalten Trinkgefäßes - Fundstück aus der Gemarkung Senzig

mittelalterliches Bruchstück eines bemalten Trinkgefäßes - Fundstück aus der Gemarkung Senzig

mittelalterliches Bruchstück eines Gefäßhenkels - Fundstück aus der Gemarkung Senzig

mittelalterliches Bruchstück einer tönernden Wasserrinne - Fundstück aus der Gemarkung Senzig